Alles war neu, bunt und nichts unmöglich

Das Projekt Clubraum Berlin bringt DJs aus der Hauptstadt für einen Austausch mit Kollegen nach Südamerika

Chopstick & Johnjon legen in Santiago de Chile auf. Foto: Tabea Kempf

Chopstick & Johnjon legen in Santiago de Chile auf. Foto: Tabea Kempf

Durch das Kulturprojekt „Clubraum Berlin“ wurden in den letzten Jahren regelmäßig Gäste aus der Berliner Clubszene nach Südamerika eingeladen, um ihre Ideen, Erfahrungen und Anekdoten mit ihren Kollegen dort zu teilen. Im letzten Jahr fand das Treffen im längsten Land der Welt statt, in Chile.

Während in Deutschland der Winter ausbrach und der eisige Wind durch die kleinsten Poren des Wintermantels pfiff, waren die Berliner mit Flip-Flops und Sonnenbrille zu Gast in Santiago de Chile und erzählten vom Berlin kurz nach dem Mauerfall: In der Musikszene herrschte Ausnahmezustand, nicht enden wollende Partys – der Sound Berlins war geboren.

Vor allem in der elektronischen Szene wurde die Hauptstadt zum Aushängeschild. Bis heute werden Industrieruinen, Keller oder brachliegende Grundstücke okkupiert und durch Nischenmietverträge legal bezogen und zum Venue (= Club- oder Event-Space) umgewandelt. Dietmar-Maria Hegemann, der in der Szene „Dimitri“ genannt wird, erzählt von seinen Anfängen als Kulturmanager und späterer Besitzer des Techno Clubs „Tresor“: „Wir hatten damals keine Bühnen für unsere Künstler, es gab noch keine Räume für diese neue Ausdrucksform was uns dazu veranlasste, einen eigenen Club eröffnen zu wollen. Als dann die Mauer fiel, hatten wir endlich die Möglichkeit dazu.“

Auch Südamerikas Club-Szene ist seit einigen Jahren auf der Suche nach dem „Berlin-Style“, doch noch stellen sich die Behörden und Politiker in den Weg. „Chile hat Talente und die nötige Technologie, doch muss die Gesellschaft toleranter und offener werden“, bemerkt Lutz Leichsenring von der Clubkommission Berlin. Sie ist ein eingetragener Verein, zusammengesetzt aus Berliner Party-, Club- und Kulturereignisveranstaltern und sieht sich als Mittler zwischen Clubszene und Politik sowie der Wirtschaft. In Chile gibt es solch einen Ausschuss noch nicht, jeder arbeitet hier für sich alleine: Hohe Steuern auf Alkohol, Sperrzeiten, teure Mieten und wenig Vertrauen machen es der Szene schwer.

Der Besuch der Berliner löste in der Hauptstadt Chiles neben intensiven Gesprächen und Diskussionen auch einen musikalischen Austausch aus. Dabei wurden sich die deutschen Gäste bewusst, dass auch ihr eigener Weg in die Freiheit nicht ganz einfach war: „Wir haben viele Fehler und trotzdem weiter gemacht“, betont Dimitri. Zum Glück haben mittlerweile fast alle in Berlin verstanden, dass die Clubszene aus mehr als nur Drogen und durchzechten Nächten besteht und eine Bereicherung für eine Hauptstadt wie Berlin sein kann. In Chile ist man davon noch nicht ganz überzeugt aber die Künstler bleiben voller Hoffnung.

Falls ihr noch mehr über den Sound Berlins erfahren wollt, hier ein Buch-Tipp: „Der Klang der Familie“ von Felix Denk und Sven von Thülen. Erschienen im Suhrkamp Verlag.

Kategorie:Campus
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