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„Bono sollte sich mal eine ordentliche Brille kaufen“

Die(Ex-Studenten) Kapelle Petra singt über das richtige Leben im falschen

Ganz gemütlich in der Gartenschaukel: Kapelle Petra mag Kaffee und macht schmissig-eingängigen Indie-Pop- und -Rock. Foto: Skycap Records/Sub SoundS

Schräge Vögel, bunte Hunde, komische Typen – irgendwie etwas neben der Spur. Die Kapelle Petra aus Hamm, vor zwanzig Jahren von Studenten gegründet, fällt auf. Die Klamotten, vor allem die Hemden mit den breiten, bunt gestreiften Kurzkrawatten gaukeln einen vordergründig biederen Retro-Look vor. Auch die authentische Trash-Ästhetik, die von der Kapelle Petra in selbstgedrehten Videos zelebriert wird, täuscht über die oft hintersinnigen Texte hinweg, die in schmissig-eingängigen Indie-Pop- und Rock-Songs den alltäglichen Wahnsinn in Deutschland beschreiben. Sänger und Gitarrist Guido „Opa“ Scholz, Bassist und Orgel-Bediener Rainer „der tägliche Siepe“ Siepmann, Schlagzeuger Markus „Ficken“ Schmidt sowie Gazelle, eine lebende, weitgehend passive Bühnenskulptur, pendeln mit irgendwo zwischen originellen Ideen, plumpen Gags, schönen Schmunzlern und platten Schenkelklopfern hin und her. Studi38 unterhielt sich mit Guido „Opa“ Scholz.

Guido, was liebt und hasst Ihr an eurer Heimat Münster?
Unsere Heimatstadt ist Hamm. Macht aber nix. Uns verbindet viel mit Münster. Wir haben da studiert, sind und waren da oft feiern, mögen den Zoo, und die Zugverbindungen dahin sind echt töfte. Letzten Endes haben wir die Kapelle dort gegründet. Grund genug, die Stadt zu lieben. Hassen können wir nicht. Das einzige was an Münster komisch ist: Das wirkt alles immer wie so ein Ferienlager und Ponyhof zusammen. Manchmal etwas weltfremd.

Wie kamt ihr 1996 auf die Idee, eine Band zu gründen?
Zwei Freunde haben sich gefunden und wollten lieber eine Band gründen, anstatt in einen Kegelverein oder so zu gehen. Bei Bier und Pizza in der Kulisse Münster haben wir dann Nägel mit Köpfen gemacht. Und es bis heute nicht bereut.

Wie habt ihr es geschafft, zehn Jahre lang in der Musikindustrie durchzuhalten?
Eigentlich gar nicht. Wir haben bis 2013 alles sehr entspannt genommen. Kommse heute nich, kommse morgen (lacht). Mit dem Album „Internationale Hits“, haben wir dann erst den Schritt ins „Business“ gewagt. Seit dem ist unsere Freundschaft Geschichte und wir sind nur noch Geschäftspartner.

Was beeinflusst eure Musik?
Alles, in dem wir uns bewegen – mit dem wir konfrontiert sind. Wenn du auf die Texte achtest, wirst du immer wieder Alltagssituationen finden, die mal lustig und auch mal kritisch beäugt werden. Letztlich aber wohl immer mit einem Augenzwinkern.

Welche Rolle spielt Humor bei euch?
Humor spielt eine große Rolle. Wir haben uns gegründet, weil wir Freunde waren, die vor allem viel Spaß zusammen hatten. Trotz der Tatsache, dass wir damals alle keine Instrumente spielten. Ob das heute besser ist!? Na ja  (lacht). Ich denke, viel mehr Humor kann man da wohl nicht beweisen. Ähnlich ist es wohl mit den Texten. Natürlich gehen wir auch ernste Themen an. Themen, die uns bewegen und beschäftigen. Diese müssen gesagt werden. Sicherlich nicht mit erhobenem Zeigefinger. Wir wollen die Leute unterhalten.

Und woher kommt die Melancholie?
Vielleicht muss ich zuerst darauf hinweisen, dass Melancholie nicht mit Trübsinn zu verwechseln ist. Es ist wohl eher eine gewisse Nachdenklichkeit, die in besonderen Momenten ihren Ausdruck findet. Du wirst immer wieder eine Art Sehnsucht nach dem Meer in unseren Texten finden. Ich war erst kürzlich da. Das sind Momente die nachdenklich stimmen und es schaffen, die Birne mal wieder aufzuräumen.

 „The underforgotten Table“ zitiert im Titel die U2-Alben „The unforgettable Fire“ und „The Joshua Tree“. Was habt Ihr mit der Band gemeinsam?
Wir haben einen ebenso charismatischen Sänger und versierten Gitarristen. In unserem Fall sogar in einer Person. Wenn man´s genau nimmt, sind wir in diesem Fall U2 voraus.

U2-Sänger Bono & Co. haben immer Botschaften an ihre Fans. Wie lautet eure Botschaft?
Nehmt euch nicht immer selbst so ernst.

Was würdest du tun, wenn du Bono wärst?
Wie sieht der denn grad aus? Vermutlich zum Friseur und mal eine ordentliche Brille kaufen.

Was würdest du alles tun, um noch bekannter zu werden?
Noch bekannter geht ja gar nicht (lacht). Ich glaube, um bekannt sein geht´s uns gar nicht. Wir haben echt Spaß mit dem was wir tun dürfen. Wenn wir das noch n paar Jahre hinkriegen, sind wir wohl alle sehr zufrieden.

Würdest du zum Beispiel bei der RTL-Nackt-Show „Adam sucht Eva“ blank ziehen?
Gazelle würde das tun. Oder nicht. Oder. Bin nicht sicher …

Welches sind die drei Dinge, die du mit auf eine einsame Insel mitnehmen würdet?
Die große Liebe. Lass mal dahingestellt, wer oder was das ist. Meine Bluetooth Box, die habe ich mir gerade gekauft und feiere ich hart. Die Kapelle und den Rattenschwanz, der da dran hängt.

Guido, warum sollte man sich und das Leben nicht so ernst nehmen?
Dafür ist es zu kurz. Man verpasst vielleicht die schönen und leichten Dinge im Leben. Viel zu viele Menschen tun das bereits und das nicht immer mit dem besten Ergebnis.

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