Bye-bye Sweet Home?

Die Bewohner der Gaußstraße 16 kämpfen für ihr Zuhause

Foto: Kim Sartorius

Foto: Kim Sartorius

Als der große Altbau in der Gaußstraße 16 in Braunschweig erstmals zum Wohnheim wurde, gab es zu wenig Wohnraum und Fachkräfte mangel. Heute, 59 Jahre später, sind beide Herausforderungen wieder aktuell. 23 Studierende bewohnen das alternative Wohnheim zurzeit. Sie verwalten es selbst, wählen ihre Mitbewohner/innen aus und haben verschiedene Aufgaben übernommen, wie das Beschaffen von Toilettenpapier. Auf diese Art ist aus dem Wohnheim eher eine Wohngemeinschaft geworden.

Vom hohen Verantwortungsgefühl der Studierenden zeugen auch das Food-Sharing und der Flohmarkt im Erdgeschoss. Von 18 bis 20 Uhr können sich Bedürftige aus dem dortigen Lebensmittelregal oder dem Second-Hand-Shop bedienen. Es wohnen Studierende verschiedener Hochschulen und Studienrichtungen im Haus. Sie kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Indien, Spanien und Brasilien. „Das Haus verbindet uns.“ Da sind sich alle einig. „Heutzutage ist es in den großen Wohnheimen nicht unüblich, dass man nicht mal seinen Nachbarn kennt“, sagt Harald Wagner. Der Vorsitzende des Trägervereins hat 1996, als das Wohnheim schon einmal kurz vor dem Aus stand, das Amt übernommen. Dieses Problem kennen die Studierenden nicht, da ihre Mitbewohner für sie über die Jahre zu einer kleinen Familie geworden sind. Seit Oktober 2016 ist die Zukunft des Wohnheims wieder in Gefahr. Das alte Gebäude ist dringend sanierungsbedürftig.

Die Bewohner wurden daher bereits Ende März über die bevorstehende Kündigung ihres Mietvertrags informiert. Eine Rettung scheint nicht einfach: Das Gebäude gehört dem Land Niedersachsen, die TU-Braunschweig kann es aber schon deshalb nicht sanieren, weil sie nur in Forschung und Lehre investieren darf. Für Wohnangelegenheiten ist das Studentenwerk zuständig, das aber nur ein saniertes Gebäude übernehmen würde. Dies ist aber ohnehin nicht das Ziel der Bewohner, da in diesem Fall die eigenständige Verwaltung wegfallen würde. Sie wollen deshalb zweckgebundene Spenden sammeln, um die Sanierung selbst zu bezahlen und das Wohnheim mit seiner alternativen Selbstverwaltung zu erhalten. Der einzige Haken: Die notwendige Summe beläuft sich derzeit auf 500.000 Euro.

Trotzdem wurden in den letzten Wochen und Monaten Spendenaktionen, Flohmärkte und eine CrowdfoundingKampagne ins Leben gerufen, um das Geld aufzutreiben – nicht nur aus Eigeninteresse. Die Renovierungen würden rund 1,5 Jahre in Anspruch nehmen, sodass die meisten der Bewohner bei Fertigstellung nicht mehr in Braunschweig wären. Sie wollen in erster Linie den folgenden Generationen das Haus so erhalten, wie es ist. Studentin Annette Lien erzählt: „Manchmal kommen ehemalige Bewohner vorbei und fragen, ob sie noch einmal ihr altes Zimmer sehen oder ihren Kindern zeigen dürfen, wo sie damals gelebt haben.“

Shortfacts

  • Wohnheim seit 1958
  • Derzeit 23 Studierende
  • 500.000 € Spenden werden benötigt
  • Aktueller Stand 52.160 €
  • Deadline: 31.03.2017
  • Infos unter https://gauss16.wordpress.com
^