Das Abenteuer auf der Haut

Der Outdoor-Trend unter der Lupe…

Stefan Bode mit dem MTB auf dem Weg zum Grand Col de Ferret (2537m ü. NN). Foto: Privat

Stefan Bode mit dem MTB auf dem Weg zum Grand Col de Ferret (2537m ü. NN). Foto: Privat

Woran erkennt ihr, dass der Outdoor-Trend vor eurer Haustür angekommen ist? Ganz einfach: Die Innenstadt ist knallbunt von all den multifunktionalen Softshell-Jacken, auf dem Campus könnt ihr euch kaum noch vor den riesigen wasserabweisenden Rucksäcken retten und eure Freunde bringen zum Festival ihr brandneues Wurfzelt samt Thermoschlafsack mit. Egal, ob ihr gerade entnervt nickt oder peinlich berührt seid, weil ihr selbst zur bunten Masse der Ausrüstungsprofis gehört – Outdoor ist für viele inzwischen zum Trend geworden. Wir haben uns gefragt: Steckt noch mehr dahinter als das Bedürfnis, sich für eine Mount-Everest-Besteigung zu kleiden, wenn man eigentlich nur kurz zum Supermarkt will?

Auf der Suche nach Antworten haben wir mit Stefan Bode gesprochen, einem der fünf Geschäftsführer von SFU in Braunschweig. Als sie anfingen, gab es kaum Outdoor-Artikel auf dem Markt, erzählt uns Bode. „Unabhängig davon hatte eigentlich jeder Student einen Rucksack und ist auch damit gereist. Es war für viele eine Herzensangelegenheit, in die Welt hinauszugehen.“

Zwischenzeitlich hatte er das Gefühl, dass gerade junge Leute seltener unterwegs waren. Doch in den letzten sechs bis acht Jahren habe sich das wieder umgekehrt, gerade durch Work & Travel oder Freiwilligendienste. So werden nun beispielsweise Touren-Rucksäcke deutlich stärker nachgefragt, als noch in den neunziger Jahren. Der studierte Geologe sieht im Outdoor-Trend jedoch mehr als eine Modeerscheinung: „Es ist eher eine Reaktion auf einen sich verändernden Alltag.

Wenn Leute viel in Städten unterwegs sind und vor Bildschirmen sitzen, in Bereichen, in denen ein Mensch natürlicherweise eigentlich gar nicht zu Hause ist, dann sehnt er sich nach anderen Dingen. Diese Sehnsucht steckt in den meisten von uns.“ Welche Dinge können das sein? Bode findet vor allem in der Natur zu Ruhe und Zufriedenheit: „Ich persönlich entdecke auch beim abendlichen Waldlauf im Dauerregen freie Areale im Gehirn, ich kann mir unbewusst Gedanken über Dinge machen, bei denen ich gar nicht zielgerichtet Lösungen suche. So komme ich auf neue Ideen, das genieße ich sehr. Ich kann mir vorstellen, dass es anderen ähnlich geht.“

Auch wenn ihr bei Dauerregen lieber im Trockenen bleibt, gibt es viele Möglichkeiten, Natur in den Alltag zu holen. Unser Experte hat da einen guten Rat: „Wenn ich morgens auf dem Weg zur Arbeit mit dem Fahrrad am Fitnesscenter vorbeifahre und die Leute sehe, die bei schönstem Sonnenwetter drinnen am Strampeln sind, frage ich mich schon, warum man das nicht einfach in den Alltag einbaut. Wieso lässt man nicht mal das Auto stehen, wenn es geht, und fährt mit dem Rad zur Schule, zur Uni oder zur Arbeit? Das sorgt für mehr Zufriedenheit – man bewegt sich, tut etwas für die Gesundheit, schont die Umwelt.“

Dennoch lässt es sich nicht leugnen, dass das Outfit zum Stadtbummel nicht unbedingt für eine Expedition ins Gebirge geeignet sein muss – Sehnsucht nach Natur hin oder her. Outdoor-Bekleidung ist schließlich nicht ganz billig und noch dazu werden häufig umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien in der Herstellung verwendet.

„In der Branche ändert sich gerade sehr viel“, sagt Bode. „Mittlerweile sind viele Produkte durch die Kontrolle von externen Organisationen in der Kritik; beispielsweise Fluorcarbon-Imprägnierungen auf Jacken auch mit Recht. Gerade für die Verwendung in der Stadt sind diese nicht zwingend notwendig und generell kann man sie auch durch ökologische Produkte ersetzen.“ Übrigens: Outdoor-Kleidung hat es inzwischen bis auf den Laufsteg geschafft, zum Beispiel bei der Berliner Fashion Week im Januar. Letztendlich ist es wohl eine Frage der persönlichen Einstellung – findet ihr es einfach nur schick, wie waschechte Abenteurer auszusehen oder wollt ihr tatsächlich back to nature?

Drei Fragen an Stefan Bode (SFU)

Vom Geologiestudent zum Outdoor-Profi: SFU-Geschäftsführer Stefan Bode. Foto: Privat

Vom Geologiestudent zum Outdoor-Profi: SFU-Geschäftsführer Stefan Bode. Foto: Privat

Was ist Ihr aktueller Verkaufsschlager?
„Urban Outdoor“ ist momentan voll im Trend. Der umfasst Produkte wie beispielsweise Brotboxen und Vorratsbehälter aus Edelstahl oder Trinkflaschen aus Glas. In beiden Fällen stehen junge Start-Up-Unternehmen aus Berlin dahinter. Deren Produkte lassen sich sehr gut im Alltag nutzen, obwohl sie eigentlich aus dem Outdoor-Bereich stammen. So kann Verpackungsmüll eingespart werden – klingt trivial, ist aber ein ganz toller Ansatz.

Verraten Sie uns Ihren Natur-Tipp hier in der Region?
Es ist natürlich die Frage, ob man diese kleinen Oasen, die man im Laufe der Zeit für sich entdeckt hat, preisgeben möchte. Ich sage erst einmal so viel: Selbst in unmittelbarer Nähe der Stadt gibt es Orte, die einfach toll und sogar wild sind. Das beste Beispiel ist natürlich der Harz, vor allem der Osten ist weniger besucht, als der Westen. Wir haben hier sehr viel vor der Haustür, man muss einfach nur den Blick dafür entwickeln.

Was war Ihr bestes Outdoor-Erlebnis?
Ich war Anfang 20 und wir trafen in der Sahara einen Japaner, der alleine unterwegs war, ausgerüstet nur mit einem Handkarren mit Wasserkanistern und einem Federbett. Er war auf dem Weg von Nairobi nach Paris. Das war für ihn ein Lebenstraum – er hat gegrinst über beide Ohren. Wir haben dann zusammen Tee getrunken und uns lange unterhalten. Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, dass man seine Ziele unbedingt verfolgen sollte, auch wenn es noch so schwer ist.

Kategorie:Campus
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