Der Rundgang

... im Zeitraffer

Foto: Luciana Tamas

Foto: Luciana Tamas

Wenn man am Anfang des Sommers durch die Gebäude der HBK schlendert und mit den Studierenden ins Gespräch kommt, merkt man bei allen eine gewisse Aufregung. Denn wie jedes Jahr um diese Zeit nähert sich der Rundgang mit großen Schritten und es gibt noch viel zu tun. Der Rundgang ist für jede Kunsthochschule oder -universität das wichtigste Ereignis im Jahr: der Höhepunkt der künstlerischen und wissenschaftlichen Anstrengungen und Forschungen der einzelnen Studierenden, aber auch der jeweiligen Klassenkollektive und Studiengänge.

Die Ergebnisse sind in der Regel dynamisch, vielfältig, und spiegeln konzeptionelle und gesellschaftlich-politische Spannungen einer gewissen historischen Zeit wider. Aber auch Inhalte jenseits des Zeitgeistes sind zu erwarten: die Hoffnungen und Enttäuschungen, die Leidenschaften und Ängste und die Identität der Generationen. Die Studierenden der Freien Kunst bauen, malen, gestalten neue oder verarbeiten fast fertige Werke, die ausgestellt werden. Im Darstellenden Spiel bereitet man sich intensiv auf den Sommerparcours vor. Auch die Design-Studiengänge fertigen ihre auszustellenden Projekte an und diejenigen, die Kunst- oder Medienwissenschaften wie Kunst-Lehramt studieren, bringen sich kuratorisch oder schriftlich ein. Wände werden gestrichen, Ateliers geräumt, technische Geräte ausgeliehen, es werden Kataloge, Einladungen und Plakate gedruckt, bis spät in die Abendstunden Debatten abgehalten. War das früher auch so? Haben sich die Studierenden damals mit derselben Hingabe für den Rundgang vorbereitet? Und wie sah die Veranstaltung während der Anfänge der Hochschule aus? Das Hochschularchiv hat Erinnerungen ab dem Jahre 1985 aufbewahrt. Aus Rundgangs-Programmen und Einladungen, Zeitungsartikeln und Fotos, die vom Archivar Eyke Isensee aufbewahrt wurden, lassen sich die Spuren der Vergangenheit herauslesen. 1985 hieß der Rundgang noch „Tage offener Türen“ und fand im November statt. Also ist die Tradition, den Rundgang im Sommer zu veranstalten, nicht wirklich alt. 1993 stellte man ironische Beiträge zu aktuellen Debatten über die Bedeutungen der Kunst aus. So konnten die Besucher beispielsweise einen Turm aus Zementabgüssen von Joghurtbechern aber auch Neonplastiken betrachten. Der Rundgang im Jahr 1996 wurde als „Labyrinth“ aus Installationen, Bildern und Projektionen beschrieben. Unter anderem war ein Eissitz, der sporadisch aus einer Kühlkammer hervorgeholt wurde, zu sehen.

Zwei Jahre später wurde das ARTmax in der Frankfurter Straße eingeweiht. Mit dabei waren  Ausstellungen von Prof. Raimund Kummer und der ehemaligen HBK-Professorin Marina Abramovic. 2001 gab es eine HörspielSoiree mit Erzählungen und Klang-Collagen live bei Radio Okerwelle. Und im darauffolgenden Jahr feierte man beim Rundgang die Erweiterung der Bibliothek aus Teilen des mexikanischen Expo-Pavillons und 2003 lud die Klasse Walter Dahn den „Omnibus für direkte Demokratie“ an die HBK ein. Gleichzeitig fand das erste „durchgedreht 24“-Selbstfilmfestival statt. Ab dem Jahr 2004 führte der Bologna-Prozess zu Veränderungen in der Gestaltung des Rundgangs. Vier Jahre später wurde das „Kleinbusfahren durch Braunschweiger Wildnis“ angeboten, ein „Roadtrip ins totale Leben, Exorzismus der Sehnsucht, Sklaven der Freiheit, Rausch in Exzess“. 2013 feierte der Rundgang zugleich die 50-jährige Existenz der modernen HBK. Der Rundgang ist damit eine Tradition, die von den aktuellen Studierenden immer neu erfunden und geprägt wird, vor allem aber ein mannigfaltiges Ereignis, zu dem zwischen dem 13. und 17. Juli wieder alle herzlich eingeladen sind. Immerhin ist die Kunst die Freude des Zusammenseins, jenseits von Raum und Zeit.

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