Der Sound der Freiheit

Sind Festivals eigentlich noch true?

Foto: Holger Isermann

Foto: Holger Isermann

Jedes Jahr im Sommer versammeln sich in ausgewählten Gegenden auf der ganzen Welt konzentrierte Menschenansammlungen. Zu tausenden pilgern junge Menschen in froher Erwartung zu bestimmten Heilstätten, um dort ihre Zelte aufzuschlagen. Religiöse Wanderungen? Fast. Denn die Heillande der Massen sind nicht Jesus Christus oder der Dalai Lama, sondern Deichkind, Metallica oder Green Day: Die Festivalsaison beginnt!

Aber woher entspringt dieser ganz spezielle Kult? Der uns bekannte Begriff „Festival“ leitet sich vom lateinischen Adjektiv „festivus“ für festlich, feierlich oder heiter ab. Was uns heute als mehrtägige Party bekannt ist, begann 1967 in Kalifornien. Dort fand erstmals das „Monterey Pop Festival“ statt und es traten organisiert von John Phillips, Lou Adler, den Beach Boys sowie den Beatles viele Popgrößen auf und vernetzten sich. Unter anderem spielten Jimi Hendrix, Janis Joplin und The Who – Namen, die heute zu Musiklegenden geworden sind. Auch die Hippiebewegung setzte mit dem Woodstock-Festival einen Meilenstein der Festivalgeschichte. Damals zelteten die BesucherInnen in der freien Natur und konzentrierten sich auf Freiheit und die Liebe zur Musik. Der Kult breitete sich über die ganze Welt aus.

Heute sieht dies ganz anders aus. Die FestivalgängerInnen haben sich im Laufe der Zeit mit Powerbanks für Smartphones, Luxuszelten und Kühlakkus bewaffnet. Längst findet man Konzertmitschnitte auf Youtube oder Bilder auf Facebook, die beweisen wer, wann, wie viel Spaß auf welchem Festival hatte. Null Empfang war einmal, Handynetze werden erweitert. Große Getränkehersteller werben mit Attraktionen – geht es hier eigentlich noch um Livemusik? Manch einer fühlt sich an Mallorca und den Ballermann erinnert. Müssen der Boratkini und das Bärenkostüm wirklich sein? Von den Zeltplätzen schallt Trashpop à la David Hasselhof. Und die „Brüste raus“-Schilder sind so 1960!

Fernab von Rock am Ring oder dem Hurricane ergibt sich der Trend zu kleineren Festivals, wie zum Beispiel das Zytanien, das Akerfest, das Stonerock oder das Fuchsbau-Festival. Ohne große Bühnen schaffen sie es, Bands und DJs für günstige Preise und weitgehend ohne Vermarktung spielen zu lassen. Es lässt sich schließen: Beides hat Vor- und Nachteile. Da hilft nur ausprobieren! Und wenn wir ehrlich sind: Powerbanks sind nach dem zweiten Tag auch gar nicht so schlecht und das Zelt von Vati hat auch schon bessere Zeiten erlebt. Ein bisschen Fortschritt tut nicht weh.

Trotz der vielen Unterschiede bieten Festivals, ob groß oder klein, alle ein kleines Parallel-Universum: Abgeschnitten von Stadt und Spülklos, inmitten von musikalischer Begeisterung entwickelt sich eine zusammengehörige Gemeinschaft, die sich zu schätzen lohnt. Hier werden Zelt-Nachbarn zu Verbündeten und ein kühles Getränk zur Währung der Stunde. Fazit: Vor der Bühne sind eben doch alle gleich.

Kategorie:Campus
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