„Durch Naivität entstehen Geschichten“

Felix Starck hat mit einem Bus Amerika erkundet und darüber einen Film gedreht. Was wir von ihm lernen können? Den Mut zur Freiheit ...

Foto: expedition-happiness.com

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2013 ist er mit dem Fahrrad um die Welt gefahren und nun hat er mit einem umgebauten Schulbus den amerikanischen Kontinent erkundet: Felix Starck steht für alternative Reisemethoden.

Unabhängig, selbstbestimmt, frei. Das ist seine Devise. Damit scheint er in Zeiten des Backpackingtrends, des Alleinreisens und der Couchsurfingmentalität den Nerv der Zeit zu treffen. Raus aus Deutschland, raus aus dem System – das war die Motivation, die Felix und seine Freundin Selima antrieb.

„Expedition Happiness“ taufte er seine neueste Produktion, welche die Zuschauer in knapp 90 Minuten mit auf seine Reise nimmt und die am 9. Mai von ihm im C1 Kino vorstellt wurde. Als Felix und Selima alias „Mogli“ Anfang letzten Jahres in Deutschland aufbrachen, hatten sie keinen konkreten Plan. Ohne handwerkliche Kenntnisse kauften sie sich in North Carolina einen alten Schulbus und bauten ihn in ein Wohnmobil um. Dass ihr Vorhaben durchaus von gewisser Naivität geprägt war, gesteht sich Felix selbst ein, fügt aber hinzu: „Durch viel Naivität entstehen Geschichten. Es geht viel schief und dann hat man was zu erzählen.“ Und an Geschichten mangelt es dem Film wirklich nicht. Es ist ein Wechselspiel aus Höhen und Tiefen, das die beiden Reisenden dokumentieren, wodurch ihre Geschichte aber auch greifbar und persönlich wird.

Inspiriert vom gegenwärtigen „Vlogging“ Trend, wie er aktuell auf Youtube abzuzeichnen ist, erhebt Starck keinen hohen künstlerischen Anspruch auf sein Projekt. „Wir sind ja Amateure, wir sind keine Filmschaffenden in dem Sinne. Wir waren Kamerateam Regisseur, Produzent, wir haben geguckt, dass wir das Ding irgendwie finanzieren.“ Dadurch verfällt der Zuschauer in die bequeme Rolle des Beobachters, wird durch eine Mischung von eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen und ungefilterten Handkamerasquenzen Teil der epischen Reise. Das hat Starck auch im Anschluss an den Film so bestätigt: „Ich glaube wir nehmen Menschen mit auf so ’ne Reise, auf so ’nen Traum“.

Traumhaft und surreal erscheint die Reise tatsächlich, gerade in den Sequenzen, in denen sich Drohnenaufnahmen von Alaskas Naturschönheit und den melanchonisch-ergreifenden Liedern von Mogli vereinen. Zurück in die Realität gerissen wird man dann durch Hindernisse und Momente des Zweifels, denen das Pärchen immer wieder auf ihrer Reise ausgesetzt ist: Technische Probleme mit dem Schulbus oder der kritische Gesundheitszustand von ihrem Hund „Rudi“.

Die Frage nach dem Glück, die der Name „Expedition Happiness“ ja in gewisserweise impliziert, wird in dem Film tatsächlich nur grob angeschnitten. Auf Nachfrage erzählt Felix: „Es wird ja ganz oft nach Glück geforscht, also es gibt ja Leute, die beschäftigen sich ihr ganzes Leben damit. Gibt’s ’ne Formel für’s Glück? Ich glaube die gibt’s nicht, wir haben unser Glück gefunden, das ist aber sehr individuell. Für uns ist es einfach eine Familie zu gründen, anzukommen. Zufrieden zu sein mit dem was man hat. Weniger haben, mehr sein. Einfach mal die Dinge so zu nehmen wie sie kommen und damit happy zu sein.“ Die Freude, nach 11 Monaten am Weihnachtstag wieder bei ihren Familien anzukommen, ist groß.

Die Moral des Films scheint also paradox, aber einfach: Manchmal liegt das Glück direkt vor den eigenen Füßen, man muss aber einen gewissen Abstand dazu gewinnen, um es wirklich zu erkennen. Für alle, die sich aber durch „Expedition Happiness“ inspiriert fühlen, selbst aufzubrechen, verrät Felix noch seine persönlichen Top 3 der Reise: „1. Banff, 2. Alaska, 3. Tulum“.

Kategorie:Campus
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