Feierst du noch oder müllst du schon?

Ein Gespräch mit Jonas Seetge vom Festival „Rocken am Brocken“ über die Wegwerf (Zelt)-Gesellschaft

Jonas Seetge organisiert ehrenamtlich das Festival Rocken am Brocken. Foto: Moritz Christoph Ullrich

Jonas Seetge organisiert ehrenamtlich das Festival Rocken am Brocken. Foto: Moritz Christoph Ullrich

Jeden Sommer locken Musikfestivals Millionen Besucher in die unterschiedlichsten Flecken des Landes, um in entspannter Atmosphäre ihren Lieblingsbands zu lauschen. Einfach mal ein paar Tage ohne schlechtes Gewissen „die Sau rauslassen“ zu können, ist für viele das Highlight des Jahres. Bei Hitze, Dosenbier, den Köstlichkeiten der Foodtrucks oder dem eigenen Grill denken wohl die wenigsten an Mülltrennung. Für die Veranstalter ist die Organisation und Durchführung deshalb eine echte Herausforderung – vor allem bei den stetig wachsenden Besucherzahlen und Müllbergen. Wir haben mit Jonas Seetge aus dem Rocken am Brocken-Team über das gesprochen, was vom Festival übrig bleibt… .

 

In der Beschreibung eures Festivals heißt es: „[…]Natur, Musik und Freundschaft feiern“. Welche Bedeutung hat die Natur wirklich für euch?
Natur ist besonders für das Rocken am Brocken von großer Bedeutung. Unmittelbar im Nationalpark Harz gelegen, genießen wir nicht nur die Naturkulisse, sondern sind vor allem bestrebt diese zu erhalten. Für unsere Besucher haben wir deshalb den Akustikpfad ins Leben gerufen. Hierbei spielen Künstler komplett unplugged in Mitten des Nationalparks. Die gesamte Tour wird dabei von Rangern geführt, die den Besuchern Flora und Fauna zeigen. So soll das Bewusstsein für die Natur gestärkt werden.

Was unternehmt ihr gegen den anfallenden Müll?
Wie jedes Festival sind auch wir mit großen Müllbergen konfrontiert. Wir haben zunächst versucht, über Müllpfand dagegen zu steuern. Dies brachte teilweise gute Erfolge. Allerdings motivierte es auch viele Besucher zu entgegengesetzten Handlungen: So haben manche Leute von daheim Müll mitgebracht, um am Ende ihren Pfand bequem zurück zu erhalten. Wir arbeiten stetig an neuen Konzepten, haben aber die ideale Lösung noch nicht gefunden und hoffen auf die Kooperation der Besucher.

Welche anderen Möglichkeiten nutzt ihr noch?
Im letzten Jahr haben wir versucht zu einhundert Prozent auf Ecotoiletten zu setzten. Dabei werden die Fäkalien hinterher in eine Kompostanlage überführt und zu Pflanzenerde verarbeitet. Dafür ist weder Wasser noch Energie von Nöten. Allerdings sind diese Toiletten auch wesentlich teurer als die konventionellen Chemielösungen. Im letzten Jahr gab es zudem einen Logistikfehler, der dazu führte, dass wir am ersten Festivaltag nicht ausreichend Toiletten für die Besucher zur Verfügung hatten. Außerdem sammelt Viva Con Agua bei unserem Festival Pfand, der am Ende der Organisation direkt zu Gute kommt.

Diese Leser-Fotos zeigen, was bleibt, wenn die Bands und Besucher weg sind …

Wie reagieren die Besucher?
Wenn wir vermehrt auf Nachhaltigkeit setzten wollen, muss sich das langfristig auch auf die Ticketpreise auswirken. Nicht alle Besucher sind gewillt mehr zu zahlen, weshalb solche Entscheidungen wohlüberlegt sein müssen. Wir versuchen vermehrt, die Besucher zu Fahrgemeinschaften zu motivieren und die Anreise mit Bus-oder Bahn attraktiver zu machen. Sonst drohen auf lange Sicht kostenpflichtige Autopässe oder eine Automaut. Positives Feedback gab es indes zu den Eccotoiletten, da diese sauberer und Geruchsneutral waren.“

Habt ihr konkrete Zukunftsvisionen für ein „natürlicheres“ Festival?
Wir denken zum Beispiel über Greencamping nach, bisher haben uns dafür allerdings die Ressourcen gefehlt. Ich arbeite nicht nur ehrenamtlich für das Rocken am Brocken Festival, sondern bin auch beim Feel Festival tätig und habe das Festival Kombinat gegründet. Dieses vernetzt Festivals miteinander und thematisiert wesentlich Elemente der Organisation, wie zum Beispiel das Thema Nachhaltigkeit. Für mich persönlich und auch für das gesamte Team von Rocken am Brocken ist Nachhaltigkeit wichtig und wird in Zukunft fester Bestandteil unseres Programms bleiben.“

Kategorie:Campus
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