#Foodporn

Oder wie ich Mr. Perfect begegnete...

Foodporn. Foto: Rachata Teyparsit - Fotolia

Neulich bin ich Mr. Perfect begegnet. Nein, nicht so wie ihr denkt! Es war Mittag und ich ging durch die Stadt, um meine Besorgungen zu erledigen, da entschied ich mich, etwas zu essen. Ich bestellte mir ein Sandwich und saß gemütlich in der Ecke eines Cafés als ein großer, muskulöser Typ herein kam.

Er hatte eine Sporttasche dabei und trug trotz der niedrigen Temperaturen nur ein T-Shirt. Er gab seine Bestellung auf und setzte sich an den freien Tisch neben meinem, wo er sogleich sein Smartphone zückte. „Hey Digga“, fing er eine Sprachnachricht an, „ich komm grad aus der Gym. Ich ess jetzt noch was und komm dann rum. So in ‘ner halben Stunde.“ Kurz darauf brachte ihm die Bedienung sein post-workout-Menü, bestehend aus einem großen Salat und einem grünen Smoothie. Gerade vertiefte ich mich wieder in mein Buch, als ich das verräterische Knipsen einer Handykamera hörte. Ich schaute herüber, dachte zunächst, dass es bei einem Schnappschuss bleibt, doch weit gefehlt.

Er rückte den Salatteller zurecht, drehte ihn herum, und legte los: Knips, der Salat von oben. Knips, Salat und Smoothie. Knips, der Salat vor dem Logo des Cafés. Es war bizarr und völlig faszinierend zugleich. Dieser Typ scherte sich echt kein bisschen darum, dass ihn inzwischen das halbe Café bei seiner Fotosession beobachtete. Er testete jeden Winkel, er sah jede Unebenheit. Er war Mr. Perfect, auf der Suche nach dem perfekten #foodporn-Bild. Etwa zwanzig Schnappschüsse später wählte er eines aus, um es bei Instagram hochzuladen. Zum Glück konnte sein Essen nicht kalt werden, denn es dauerte ewig, bis er das Foto bis zur vollkommenen Schönheit retuschiert hatte. Die halbe Stunde, die er seinem Kumpel angekündigt hatte, würde er nie einhalten.

Am Abend saß ich mit einer Freundin bei unserem Lieblingsitaliener und erzählte ihr von Mr. Perfect und wir amüsierten uns köstlich und lachten und schüttelten die Köpfe, bis der Kellner uns unsere Bestellung brachte. Wir schauten auf unsere Teller, auf unser unglaublich fotogenes Essen. Wir guckten uns an. „Nur schnell eins“, sage ich und kramte mein Handy aus meiner Jackentasche. „Genau, da ist ja nichts dabei“, stimmte sie zu. Aber bevor jetzt alle schreien: Keine von uns hat ihr Bild gepostet, denn man muss doch das Treffen mit der guten Freundin nicht immer mit seinen Followern teilen, oder? (Und dass unsere Fotos nicht so gut ausgeleuchtet waren, wie die von Mr. Perfect hat damit absolut nichts zu tun.)

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