„Hollywood hat zuviel Angst“

Marc Fehse, Gründer des Cinestrange Filmfestivals und Regisseur von „Sky Sharks“ im Interview

Regisseur und Festivalveranstalter: Der Braunschweiger Marc Fehse ist im internationalen Filmgeschäft aktiv. Foto: privat / oh.

Fast ein Jahr ist es her, dass ein bunter Mix aus Western, Action- Trash-, Scifi- und Horrorfilm die Besucher des 4. Cinestrange begeisterte. Auch in diesem Jahr findet das Festival, welches sich dem Genrefilm widmet, statt und hat erneut prominente Besucher geladen. Unter anderem konnten die ehemaligen Bondgirls Caroline Munro und Martine Beswick sowie Eva Habermann gewonnen werden.

Ein Highlight ist der Besuch von John Landis, der als Regisseur mit Klassikern wie „Blues Brothers“ oder „Die Glückritter“ bekannt wurde. Auch Mark L. Lester stattet dem Festival einen Besuch ab und wird am 10.9. von Marcus Stiglegger mit einem Vortrag, sowie einem Preis geehrt. Zudem zeigt das Festival seinen Klassiker „Phantom Kommando“. Interessenten sollten sich jedoch beeilen, da die Karten heiß begehrt sind. Die diesjährige Jury besteht aus Luigi Cozzi, Germaine Paulus und Ivo Scheloske. Diese kürt am Samstag die Gewinner des „7 Gegen 7“-Filmwettbewerbs, der sieben Langfilme gegen sieben Kurzfilme antreten lässt. Außerhalb des Wettbewerbs zeigt die Retrospektive unter anderem Klassiker wie „American Werewolf“, „Captain Kronos – Vampirjäger“ und „Fliegende Untertassen greifen an“. Genrefans, Interessierte und Neugierige können vom 6. bis zum 11. September im C1-Kino das Cinestrange besuchen. Karten sind im Vorverkauf erhältlich.

Weitere Informationen über das Festival und seinen Film „Sky Sharks“ verriet Veranstalter Mark Fehse im Interview:

Marc, wie ist das „Cinestrange“ damals entstanden und warum?
Ganz ehrlich (lacht)? Ich sollte vor über fünf Jahren mal meinen Führerschein abgeben und das wollte ich eigentlich nicht. Ich nahm mir deshalb einen Anwalt, meinen jetzigen Festival-Partner, Dr. Michael Flintrop. Wir gewannen das Verfahren und als dank lud ich Michael zum Essen ein. Nach einem längerem Gespräch stellte sich heraus, dass er seinen Doktor in Filmwissenschaften hat und nicht in Jura. Ich erzählte ihm, dass ich gern eine Filmfestival veranstalten würde, aber keinen richtige Partner dafür finde. Der Rest ist Geschichte.

Was unterscheidet das „Cinestrange“ von anderen Filmfestivals? Was sind die Alleinstellungsmerkmale?
Das „Cinestrange“ steht für den anderen Unterhaltungsfilm. Wir wollen Kino von seiner gesamte Palette zeigen. Mit Ausnahme von Drama und Betroffenheitskino, denn dieses wird in Deutschland mehr als unterstützt und bringt Leute wie uns zur Verzweiflung (lacht). Ich gehe nicht in den Keller um zu lachen. Wir brauchen keine Grauschleier-Kinofilme, die für den Giftschrank produziert sind und meist durch GEZ-Gebühren gefördert wurden, die wir eingezahlt haben. „Cinestrange“ steht für Eintauchen in eine andere und unterhaltsame Welt der bewegten Bilder. Aber unser Festival beschäftigt sich nicht nur mit dem Film an sich, sondern auch mit der Analyse und der Produktion des Films. Wir laden kompetente Filmwissenschaftler ein, die sich mit der Analyse des Films befassen und diese in interessanten und wissenswerten Vorträgen dem Publikum näher bringen. Es gibt Podiumsdiskussionen, Werkstattgespräche, Einführungen in die Filme der Retrospektive, den großen Kurz- und Langfilm-Wettbewerb und vieles mehr.

John Landis konnte als Gast gewonnen werden. (Foto: Cinestrange / oh.)
John Landis konnte als Gast gewonnen werden. (Foto: Cinestrange / oh.)

Warum beschäftigt Ihr Euch ausgerechnet mit „außergewöhnlichem Genrekino“?
Weil der fantastische Film mich schon mein Leben lang fasziniert und begleitet. Michael liebt den Actionfilm, den Polizeifilm und vieles mehr. Es war naheliegend, sich mit diesen Filmen zu beschäftigen.

Wie hat sich das Festival seit dem Beginn entwickelt und verändert? Was waren bislang die größten Erfolge, was die schlimmsten Niederlagen?
Ich glaube wir werden darüber mal ein Buch schreiben (lacht). Wir haben in Dresden angefangen und mussten mit der westfeindlichen Lebenseinstellung der Dresdner Geschäftsleute erst einmal klar kommen. Nach zwei Jahren, war es uns aber zu anstrengend mit den andauernden Feindseligkeiten und dieser Arroganz klarzukommen und wir entschieden uns zurück nach Braunschweig zu gehen, was sofort eine spürbare Erleichterung war. Die Menschen hier nahmen uns mit offenen Armen auf und wir merken in jedem Jahr eine Steigerung der Zuschauer und der angereisten Filmliebhaber.

Wie viel Zeit und Geld investiert Ihr in das Projekt und wer gehört zum Team?
Nach dem „Cinestrange“ ist vor dem „Cinestrange“. Wir, also Michael, Dr. Michael Flintrop, Carsten Fehse, Fredi Panasch sowie Kai Dres-Friedrich, Benny und Ewa Nitschke arbeiten das ganze Jahr an dem Festival. Neben uns gibt es viele weitere tolle Helfer, die uns tatkräftig unterstützen, um das Festival auf die Beine zu stellen. Das Festival verschlingt schon mal den Etat eines Kleinwagens aus Wolfsburg!

Mark L. Lester wird am 10.9. mit einem Vortrag, sowie einem Preis geehrt. (Foto: Veranstalter / oh)
Mark L. Lester wird am 10.9. mit einem Vortrag, sowie einem Preis geehrt. (Foto: Veranstalter / oh)

Wie sieht das Publikum aus? Welche Filme und Reihen kommen am besten an?
Unser Publikum ist ganz gemischt, egal welches Geschlecht, welcher Herkunft und Alter (ab 18). Wir haben festgestellt, dass die harte Film-Gangart am besten ankommt. Die Werkstattgespräche sind super besucht und der Eventfilm ist jedes Mal ausverkauft. Wir probieren aber immer wieder etwas Neues aus oder lassen Themen weg, die nicht so gut ankamen. Unser Festival ist im ständigen Wandel, um jedem Besucher jedes Mal etwas Neues zu bieten.

Wer und wie wird entschieden, welche Filme gezeigt werden? Gibt es bei Euch „Grenzen des guten Geschmacks“?
Wir haben eine unabhängige Jury von Filmfachleuten, die entscheiden, welche Filme in den Wettbewerb kommen und wer am Ende die Sieger sein werden. Das gesamt Programm außer der Retrospektiven stellen Yazid vom Deadline Magazin und ich zusammen. Die Retrospektiven beschließen Michael und ich, da Michael die Retrospektiven unserer Gäste kuratiert und begleitet. Natürlich gibt es auch Filme, die nicht annähernd das Niveau haben, welches wir sehen wollen. Und Filme, die meinen mit totalen Extremen zu punkten, werden bei uns nicht gezeigt.

Wie viele Filme werden pro Jahr eingereicht? Müsst Ihr auch Filme ablehnen?
Wir haben circa hundert Einreichungen. Manche Filme, die sich nicht an unsere Richtlinien halten, werden disqualifiziert. Alle anderen bekommen eine Chance gesehen zu werden. Aber am Ende entscheidet die Jury, welche der eingereichten Filme zu sehen sind und welche nicht.

Was sind die Besonderheiten und Highlights des fünften „Cinestrange“-Auflage?
Die „Blues Brothers“ kommen! Der amerikanische Regisseur John Landis stellt seinen Kult-Hit in einer noch nie gezeigten Version vor. Turbine Medien hat in akribischer Feinarbeit fehlendes Material neu eingefügt, synchronisiert und optisch angepasst. Das Ergebnis kann am 9. September 2016 bei uns im C1 Cinema bestaunt werden! Ein weiterer Stargast ist Regisseur Mark L. Lester, der seinen 1985er-Action-Kracher „Phantom Kommando“ mit Arnold Schwarzenegger zum Besten gibt. Die beiden James-Bond-Girls Caroline Munro und Martine Beswick geben sich ebenfalls die Ehre.

Was hältst Du von modernen und aktuellen Kinofilmen aus Hollywood?
Viel, denn es gibt immer wieder Highlights, die das Kino neu und frisch beeinflussen, da Hollywood ja nicht nur Studiofilme bedeutet. Es gibt viele Independent-Produktionen, die dem Mainstream-Kino positive Impulse geben. Mich persönlich nerven die tausend Remakes, Reboots, Recalls, Sequels, Prequels, etc.. Hollywood hat zu viel Angst auf neues und innovatives Kino zu setzen und fährt deshalb meist die sichere Schiene. Aus kommerzieller Sicht verständlich, aus künstlerischer Sicht, gnadenlos einfallslos…

Das ehemalige James-Bond-Girl Caroline Munro schaut ebenfalls in der Löwenstadt vorbei. (Foto: Cinestrange / oh.)
Das ehemalige James-Bond-Girl Caroline Munro schaut ebenfalls in der Löwenstadt vorbei. (Foto: Cinestrange / oh.)

Was macht einen guten Film für Dich aus?
Die Story und die Umsetzung. Es muss nicht ein Millionen-Dollar-Film sein, der mich beeindruckt – er muss in seiner Machart einfach intensiv und ausdrucksstark sein.

Was sind Deine aktuellen Lieblingsfilme?
“Edge of Tomorrow”
“The Conjuring”
“Hateful 8”
“Guardians Of The Galaxy”
“Rabid Dogs”

Was sind Deine fünf Film-Alltime-Klassiker?
„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo”
“Dawn of the Dead”
“Rocky 3”
“Robocop”
“Ghostbusters”

Du arbeitest zurzeit auch an dem neuen Film „Sky Sharks“. Woher kam die bizarre Idee?
Als mein Bruder Carsten und ich für Volkswagen eine Imagefilm drehten, hatte ich in der Nacht einen Traum von fliegenden Haien, die von Zombies gelenkt werden. Ganz aufgeregt habe ich ihm das am nächsten Morgen erzählt. Er meinte darauf: „Diesen Scheiß will doch keiner sehen…“. In Cannes habe ich dann die Idee meinem Freund und Produzentenpartner Yazid gepitcht, der gleich meinte: „Ich bin dabei“. Und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Seltsam aber so steht es geschrieben (lacht).

Was erwartet den Zuschauer bei diesem Horror-Zombie-Nazi-Film-Spektakel?
Eine unterhaltsame Dosis Pulp-Kino. Mit viel Aktion, Blut und coolen Sprüchen. Wer auf Comicverfilmungen steht und sich an absurden Kuriositäten erfreuen kann, kommt bei „Sky Sharks“ voll auf seine Kosten. Wer aber deutsches Grauschleier-Kino erwartet, soll bitte die Matinée-Vorstellung von „Yella“ besuchen (lacht).

Wie schwierig war die Finanzierung und wie weit ist das Projekt fortgeschritten?
Geh doch mal mit dieser Idee zu einer deutschen Bank! Das ist sehr schwierig, aber wir haben es hinbekommen. Der Etat für „Sky Sharks“ liegt bei 2,5 Millionen Euro. Den Film haben wir mittlerweile zur Hälfte fertiggestellt. Ende 2017 wird „Sky Sharks“ von Sony Pictures in die Kinos gebracht, 2018 erscheint er auf DVD und Blu-ray.

Welche (Film-)Träume möchtest Du Dir noch verwirklichen?
Noch einige. Wir haben tolle Drehbücher bei uns liegen und hoffen diese nach „Sky Sharks“ umsetzen zu können. Zurzeit arbeiten wir an einem Konzept einer Fernsehserie.

Was motiviert und fasziniert Dich an Deiner Arbeit mit eigenen Projekten, aber auch als Dienstleister mit Deiner Design- und Filmagentur?
Die Liebe zum Film lässt mich jeden Tag glücklich aufstehen. Was gibt es besseres, als fröhlich zur Arbeit zu gehen. Ich liebe meinen Job mit allen Höhen und Tiefen. Wenn Du abgesehen von Deinen eigenen Projekten andere Menschen glücklich machst und die sich freuen, etwas Besonderes und Außergewöhnliches zu bekommen, ist das die beste Bezahlung.

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