Gucken wir auf Englisch?

To dub or not to dub… das ist hier die Frage

The Big Bang Theory. (Foto: Warner Bros. Television)

The Big Bang Theory. (Foto: Warner Bros. Television)

Kennt ihr diese Frage auch? Wer von euren Freunden hat sie beim letzten Serienabend gestellt? Oder wart ihr es selbst? studi38.de hat für euch nachgeforscht, warum Serien auch bei uns immer häufiger im Original geschaut werden.

Wenn man nachmittags durch das Fernsehprogramm zappt, stößt man sehr wahrscheinlich auf die eine oder andere Folge How I Met Your Mother oder The Big Bang Theory. Treffendere Titel wären Wie ich eure Mutter traf oder Die Theorie des Urknalls, denn in Deutschland werden so gut wie alle Serien und Filme aus dem Ausland mit einer Synchronisation versehen (auch dubbing genannt). In anderen europäischen Staaten kommen dagegen Untertitel oder voice-overs (hier wird eine Übersetzung über die Originaltonspur gelegt, ohne auf Mundbewegungen zu achten) zum Einsatz. Die Synchronisation hat eine lange Geschichte: Sie fand ihren Anfang im Ende der Stummfilmzeit, als Filme plötzlich Dialoge hatten und nicht mehr international verständlich waren. In den 1930ern gab es die ersten Synchronisationsversuche, die in Deutschland zunächst skeptisch aufgenommen wurden. Die Alternative, einen Film in mehreren Fassungen aufzunehmen, war jedoch so kostspielig, dass sich die Synchronisation recht schnell durchsetzte. Zwischenzeitlich wurden aber tatsächlich für den deutschen Markt deutsche Schauspieler engagiert, die den gesamten Film sozusagen noch mal drehten. Während synchronisierte Bewegtbilder bei uns die Norm sind, empörte sich 1998 die norwegische Bevölkerung über die Ankündigung, dass die Gregory Hines Show norwegisch synchronisiert werden sollte. Der Protest führte so weit, dass man nach nur drei synchronisierten Folgen zum Original mit Untertiteln wechselte, wie es im norwegischen Fernsehen üblich ist.

Breaking Bad. (Foto: Frank Ockenfels/AMC)
Breaking Bad. (Foto: Frank Ockenfels/AMC)

Auch hierzulande scheint sich die Einstellung zu ändern. 2015 titelte die Welt „Wir Deutschen werden dumm synchronisiert“ – und traf damit einen Nerv. „Wenn man zum Beispiel eine Serie schaut, die im Drogenmilieu von Baltimore spielt, ist eine deutsche Synchronisation wirklich etwas mühsam“, argumentiert Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Daniela Schlütz von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Durch verschiedene Herausforderungen beim Synchronisieren geht einiges an Kontext und Inhalt verloren: Akzente, die zum Charakter einer Figur beitragen, werden nicht übernommen; Wortspiele und kulturelle Anspielungen müssen umgeschrieben werden; und egal, wie viel Mühe ein Synchronsprecher sich gibt: Er ahmt immer nur die Emotionen nach, die der Schauspieler viel authentischer darstellen kann. Dann ist da noch der Lernaspekt: 2011 veröffentlichte die  Media Consulting Group im Auftrag der Europäischen Kommission eine Studie, die das Potenzial von Untertiteln als Hilfe zum Fremdsprachenlernen untersucht.

„Ich nutze zum besseren Verständnis der englischsprachigen Originalfassung Untertitel“. (Quelle: Umfrage „Is Dubbed Media From English Speaking Countries Soon To Be Redundant In Germany?“ mit 2.600 Teilnehmern auf Serienjunkies)
„Ich nutze zum besseren Verständnis der englischsprachigen Originalfassung Untertitel“. (Quelle: Umfrage „Is Dubbed Media From English Speaking Countries Soon To Be Redundant In Germany?“ mit 2.600 Teilnehmern auf Serienjunkies)

Die Befragung von 6.000 Personen und zusätzlich 5.000 Studenten aus 33 europäischen Ländern ergab, dass Untertitelung maßgeblich zur Förderung der Mehrsprachigkeit beiträgt. Der Bericht schließt mit einer Empfehlung an die Europäische Kommission, sich mit Lehrenden und Medienfachleuten in Verbindung zu setzen, um die Untertitelung europaweit zu realisieren. Im Rahmen einer Hausarbeit zum Thema „Deutsch versus Englisch? Zur Rezeption englischer Fernsehserien im Original“ fand der ehemalige Braunschweiger Medienwissenschaftsstudent Thomas Götjen heraus, dass die Befragten ihre Englischkenntnisse grundsätzlich besser einschätzten, je häufiger sie Serien im O-Ton schauen. Man könnte das so interpretieren, dass die Ausstrahlung von Originalvertonungen im deutschen Fernsehen eine willkommene Stütze beim Fremdsprachenlernen wäre.

Sherlock. (Foto: Masterpiece/Robert Viglasky)
Sherlock. (Foto: Masterpiece/Robert Viglasky)

Interessant ist außerdem die Frage nach dem Verständnis der Zuschauer. Eine Umfrage, die auf der Seite serienjunkies.de geteilt wurde, ergab, dass 34 Prozent der Aussage „In englischer Sprache verstehe ich grundsätzlich alles (inklusive Dialekte, Wortwitze und komplizierte Handlungen)“ zustimmten; dies entspricht einer 4 auf einer Skala von 1 bis 5. Die Ergebnisse wurden später in einer Masterarbeit ausgewertet, wobei die Autorin Nicole Sälzle herausfand, dass diese Selbsteinschätzung der Befragten im Gegensatz zu anderen Ergebnissen in der Forschung steht: Demnach schneiden die Englischkenntnisse der Deutschen im europäischen Vergleich eher schlecht ab. Die Synchronisation ist also weit davon entfernt, abgeschafft zu werden, denn ein Großteil der Deutschen ist nach wie vor von ihr abhängig. Obwohl das Interesse an Serien im Original immer präsenter wird, ist es doch bisher nur eine Minderheit, die ausschließlich auf Englisch guckt. Das bestätigt auch die Umfrage: Laut dieser gaben 70 Prozent der Befragten an, Serien auf Deutsch zu schauen.

Game of Thrones. (Foto: HBO)
Game of Thrones. (Foto: HBO)

Kurzum: Es scheint auch eine Frage der Gewohnheit zu sein. Deutsche wollen nicht gezwungen werden, auf Englisch zu schauen, wenn sie ihr Leben lang Synchronisationen konsumiert haben – und in Skandinavien will man nicht auf den O-Ton verzichten, den man schon immer aus dem TV kennt. Wie sich das Phänomen weiterentwickelt, wird sich zeigen. Die Zeit bis dahin vertreiben wir uns einfach weiter im Sacred Heart Hospital, im MacLaren’s Pub, bei der Herstellung von perfektem Crystal Meth oder in der 221B Baker Street. Ihr habt die Wahl – auch bei der Tonspur!

^