#handylos

Über Phantomvibrieren und die Angst, etwas zu verpassen ...

Tatsächlich ist es wie Urlaub, das Smartphone hat sich quasi zum Schweizer Taschenmesser der Neuzeit enwickelt, #oldschoolnotizbuchläuftimmer, #handyopferahoi, alles in allem kein Weltuntergang, trotzdem ungewohnt, #lebenwieeinHöhlenmensch, #schrecklichdieseunabhängigkeit: Fazit der Seminarteilnehmer nach 10 Stunden ohne Handy. Foto: Fotolia

10 Stunden handylos sein klingt doch ganz einfach, oder? Studierende der TU Braunschweig haben sich  vergangenes Semester im Rahmen der Veranstaltung „Was mit Medien“ der Aufgabe gestellt – auch ich war dabei.

Schon nach kurzer Zeit habe ich mehrere Male panisch in meiner Handtasche nach meinem Smartphone gesucht und geglaubt, es könnte mir womöglich geklaut worden sein. Aber woher kommt das Gefühl, ohne Handy nackt zu sein und nicht mehr an der Welt teilzuhaben? Theoretisch könnte hier auf den Medienwissenschaftler Marshall McLuhan zurückgegriffen werden. Nach seiner Theorie haben Medien einen Prothesencharakter; sie sind quasi eine Verlängerung unserer Sinne. McLuhan sieht den Menschen als Mängelwesen, das durch diverse Werkzeuge versucht, die Defizite auszugleichen. Häufig bemerken wir die Materialität des Mediums allerdings erst, wenn es zu einer Störung kommt.

Diese wurde durch die Aufgabe #handylos im Rahmen der Lehrveranstaltung künstlich hervorgerufen. „Das Experiment hat gezeigt, dass nicht nur auf inhaltlicher Ebene die Nachricht des Liebsten oder die Abfahrtszeit der nächsten Bahn vermisst wurde, sondern deckte vor allem die Gewohnheiten in der Handhabung auf“, erklärt Maike Kempf aus dem Bereich Medienbildung der TU Braunschweig.

Mir ging es ganz ähnlich: die physische Abhängigkeit, also der fehlende Gegenstand am Körper und das Vernehmen von „Phantomvibrieren“ war häufiger der Grund für meine suchenden Griffe in die Hosentasche, als die psychische Abhängigkeit vom Onlinesein. Nach einigen Stunden der Gewöhnung allerdings schwindet das Gefühl mehr und mehr; man widmet sich wieder aufmerksamer Gesprächen und schaut aus dem Fenster, statt in die Wetter-App. Letztendlich kann es doch sehr entspannt sein, nicht ständig verfügbar und abrufbereit zu sein, sondern sich wirklich konzentriert einer Sache zu widmen.

Wer Lust bekommen hat, sich mit Medien kritisch auseinanderzusetzen, sollte sich das überfachliche Veranstaltungsangebot an der TU Braunschweig ansehen.

Kategorie:Campus
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