„Hendrik, du alte Säule!“

Ein Abend in Braunschweigs Nachtlokal Black Button

Das Black Button: Das ältestes Nachtspeiselokal Braunschweigs. Foto: Stephanie Link

Das Black Button: Das ältestes Nachtspeiselokal Braunschweigs. Foto: Stephanie Link

Zwischen einem Bestattungshaus und einem Restaurant liegt unscheinbar versteckt der Eingang zum Black Button. Der Weg führt durch einen schmalen, spärlich beleuchteten Gang zur Eingangstür des ursprünglichen Taxifahrerlokals am Rufhäutchenplatz. Drinnen empfängt den Gast eine wohlige Atmosphäre und eine Reise in vergangene Tage: Fachwerk und rustikale Möbel erinnern an Tavernen. Immer wieder entdeckt das Auge Neues, findet kleine Lampen, Schilder oder Dekoration. Wir setzen uns direkt neben einen kleinen Weihnachtsbaum, um die kleine, urige Kneipe überblicken zu können. Es ist 23 Uhr – Besucherzahl: 7 Gäste, inklusive uns.

„Was kann ich euch bringen?“, fragt uns Thekenkraft und Koch Hendrik. Schnell kommen wir ins Gespräch: Darüber, dass er selbst sechs Jahre Stammgast war und die lockere Atmosphäre liebte. „Vorher habe ich in einem größeren Restaurant gearbeitet. Das war quasi Fließbandarbeit. Man nimmt sich hier mehr Zeit für Gäste und setzt sich auch mal mit den Leuten zusammen.“

Seit 53 Jahren gibt es das Black Button schon. Mit 25 eröffnete Petra Franke-Guebbas das Lokal und ist auch jetzt immer noch jeden Abend dort, kümmert sich um Bestellungen und Dekoration. „Das ist es auch, was den Laden ausmacht, dieses Urige und Familiäre“, beschreibt Hendrik. Gegen Mitternacht erhöht sich die Menge der Besucher auf neun Gäste. Um halb eins sind es zwölf. Man kennt sich, es werden Kurze ausgegeben, die Besucher geben sich zur Begrüßung Küsschen links und rechts. „Hendrik, du alte Säule!“ Herzliches Lachen. Die Stammgäste gehören hier mit zum festen Inventar und zugleich prasseln Generationen aufeinander. Von 20 bis Ü70 ist alles vertreten, angelockt von warmen Speisen, die an rund 360 Tagen im Jahr jede Nacht bis 5:00 Uhr morgens serviert werden. Kein Wunder, dass man auch immer wieder auf skurrile Persönlichkeiten trifft.

„Da war mal so ein aufgepumpter Typ, der ziemlich betrunken war und rumgepöbelt hat. Als ich ihn nach einer halben Stunde endlich raus befördert hatte, zog er sein Handy und ich hörte nur, wie er laut rief ‚Mami, hol mich bitte ab“, erinnert sich Hendrik und lacht. Auch Studierende finden seit diesem Jahr immer öfter den Weg ins Black Button: „Wir waren die erste Station einer Kneipentour. Insgesamt waren 100 Studis zu unterschiedlichen Zeiten hier.“ Seitdem seien auch diese öfter anzutreffen.

So bunt wie sein Publikum ist auch der Musikmix, der das Publikum an frühere Zeiten erinnert: Von den Backstreet Boys, über Fanta Vier, Michael Jackson, Sia bis hin zu Roxette sind sämtliche Klassiker vertreten und laden den einen oder anderen Nachtschwärmer zum Mitsingen ein. Als wir um halb drei gehen, sind wir wieder bei sieben Gästen angekommen. Im Hintergrund trällern Frankie Valli and The Four Seasons „You’re just too good to be true, I can’t take my eyes off of you“ und auch wir haben uns ein wenig in den Charme des Black Button verliebt und werden sicher wiederkommen.

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