Neverending Story

Warum alles schon mal da war und trotzdem immer wieder kehrt …

Alles Wiederholung? Foto: Fotolia

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Am Ende jedes Semesters ergibt sich das gleiche Bild an Unis: Die Bibliothek ist voll, der Lernstoff schwer und die Zeit knapp, doch die Klausur kommt mit schnellen Schritten näher. „Eat – Sleep – Learn – Repeat“ heißt das Credo, dem viele Studierende unterliegen. Eine niemals enden wollende Geschichte, die erst mit der letzten Klausur geschrieben ist. In dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit Wiederholungen, Loops und Samples, die keine Fristen haben. Oder doch?

Schon Nietzsche schrieb von der „ewigen Wiederkunft des Gleichen“, in der sich, im Gegensatz zur linearen Zeit, alle Ereignisse unendlich oft wiederholen. Anderer Meinung war der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama. Er verkündete 1989 das „Ende der Geschichte“, die sich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr in Form von Kriegen oder verschiedenen Ideologien wiederholen sollte. Dies belegte er mit dem endgültigen Sieg des „wirtschaftlichen und politischen Liberalismus“. Somit seien die für Kriege verantwortlichen totalitären und autoritären Strömungen für immer erledigt und die Zukunft gehöre nur der Demokratie sowie der Marktwirtschaft. Soweit die Theorie.

Ob ewige Wiederkunst oder Ende der Geschichte – beide Perspektiven lassen sich auch auf die (Pop-) Kultur beziehen. Musikalisch war spätestens mit dem Aufkommen des Samplings Ende der 1970er Jahre eine neue Ära des ständigen, direkten Rückbezugs auf bereits Bestehendes eingeläutet. Samples – also Soundschnipsel aus anderen Songs – lassen sich in nahezu jedem Lied finden, das seit Beginn der 2000er Jahre veröffentlicht wurde. Dies geschieht entweder ganz subtil, wie das Sampeln des „Red Alert“ aus „Star Trek – New Generation“ im Song „Problem“ von Ariana Grande (2014), oder auch ganz offensichtlich. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist wohl die Bassline in Vanilla Ices „Ice Ice Baby“. Eine Abstraktion des Samples ist der Remix, eine in der Musik mittlerweile ebenfalls gängige Praxis, die vor allem in Clubs oder DJ Sets Anwendung findet.

Mit dem Internet ist die Remix-Kultur allerdings weit über die Musik hinaus gewachsen. Memes, Mashups und Supercuts sind letztlich nichts anderes als eine Neuinterpretation bereits bestehender Werke. Der französische Soziologe und Kulturkritiker Jean Baudrillard beschrieb das Phänomen bereits 1976 in seinem Hauptwerk „Der symbolische Tausch und der Tod“. Seine zentrale These besagt, dass wir uns aktuell im Zeitalter der Simulation befinden. Bilder und Zeichen beziehen sich demnach aufeinander und simulieren somit ihre Sinnhaftigkeit und Realität nur. Beispielhaft dafür sei unter anderem die Mode, die sich nur abhebt, weil sie sich von der Mode des Vorjahres unterscheide. Für sich genommen sei sie weitestgehend bedeutungslos. Und die Bassline aus „Ice Ice Baby“ ist eben nur deshalb so markant, weil jeder sie bereits aus Queens “Under Pressure“ kennt.

Eine künstlerische Sicht auf das Thema wirft Julian Rosefeldt in seiner Installation „Manifesto“. In 13 verschiedenen Rollen trägt Cate Blanchett Manifeste des 20. Jahrhunderts vor – unter anderem Karl Marx und Friedrich Engels, aber auch den Regisseur Jim Jarmusch. Hierzu werden 13 Leinwände parallel mit den Kurzfilmen bespielt. Wie durch Zauberhand überschneiden und synchronisieren sich die Worte. Kunst wiederholt, beeinflusst und variiert sich, wie in Blanchetts Worten deutlich wird: „Nothing is original. You can steal from whatever you want and what inspires your Imagination“.

Kategorie:Campus
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