Rien ne va plus

Eine Hommage an den Kater

Kater, dich kenne ich doch! (Foto: pixabay)

Augen auf. Grell. Mittagssonne. Bin ich zuhause? Prüfender Blick: Ja. Was war gestern noch gleich? Party, Döner, Heim. Gut! Alles noch da? Perfekt! Samt Decke lümmele ich mich auf`s Sofa. Schön war´s auf der Meile, jedoch überkommt mich nun am Morgen danach langsam ein altbekanntes Gefühl. „Hello again, ich sag einfach hello again“, summt eine altbekannte Stimme in meinem Kopf: Kater, dich kenne ich doch!

Wir wissen alle, ein Kater ist die Entgiftung des Körpers. Der Alkohol des gestrigen Abends muss abgebaut werden. Nicht gerade gesund, aber aus einem verkaterten Sonntag ergeben sich ein paar nennenswerte Vorteile. Die Tatsache, das einfach nichts außer Sofa, Netflix und Bringdienst funktioniert, erzeugt eine merkwürdige Idylle. Selbst wenn ich etwas Nützliches tun wollen „würde“, „würde“ ich dies nicht schaffen. Der Körper verweigert den Dienst, genau wie das Hirn. „Nee lass mal, heute nicht“, ruft es mir zu und winkt ab. Eine ganz einfache, plausible Begründung dafür, heute ausnahmsweise mal nichts zu tun und sich nicht einmal schlecht zu fühlen. Nach vier Folgen Breaking Bad ist noch lange nicht Schluss und das Geld für den Bringdienst schnell zusammengekratzt. Kochen ist jetzt eh nicht drin und das ist ganz wunderbar! Heute gibt es eine große Portion „ich mit mir selbst“ – ohne Gedanken an Klausuren, Abgabefristen, an Morgen.

Zwischen Aspirin und einer kläglichen Dusche erwarten mich Kopfschmerzen und ein flauer Magen, den ich mit stolz ertrage: Denn wer feiern kann, der kann auch katern. Zwei Komponenten, die ohne einander einfach nicht passen. Die Bonnie und Clyde der Partygeschichte sozusagen. Wer kennt sie nicht: WhatsApp-Nachrichten, die von lauen Sofatagen berichten, wenn der Autor nicht sogar gleich im Bett bleibt. Ein kollektives Regenerationsverfahren, erschaffen aus der Not heraus. Tausende Nutzer können nicht irren, denn – obacht! – dieser Zustand bleibt nicht ewig: Nach einem langen Tag im Kokon steige ich am Montagmorgen wie ein Schmetterling aus der wärmenden Hülle: Fit, glücklich und mit Lust auf Produktivität. Ich klopfe dem gestrigen Kater auf die Schulter und sage: „Danke, mein Freund!“ Dabei hoffe ich klammheimlich, dass unser nächstes Wiedersehen doch etwas dauert. Aber das muss man ihm ja wirklich nicht auf die Nase binden!

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