„Schafft den Winter ab, wir wollen wieder Festivals spielen“

Die Kraftklub-Mitglieder lieben Festivals nicht nur als Musiker und Besucher, sie veranstalten auch selbst eines ...

Foto: Philipp Gladsome

Foto: Philipp Gladsome

Nach einem Jahr Pause meldet sich die Chemnitzer Band Kraftklub im Juni mit ihrem neuen Album „Keine Nacht für Niemand“ zurück. Wir haben uns mit ihnen in der Baumhausbar in Berlin getroffen und uns über Festivalstorys ausgetauscht.

 

Welche Wörter kommen euch in den Sinn, wenn ihr an Festivals denkt?
Bier, drei Tage lang die gleiche Unterwäsche, Dosenfutter, nasser Schlafsack, Schlamm, nacktes Überleben. Auf dem Festival wird man wieder zu einem Urwesen, der Kampf um die Campingstühle und Dosenravioli beginnt.

Das sind aber wohl eher Erfahrungen, die ihr privat gesammelt habt. Als Band sieht das doch jetzt sicherlich anders aus?
Als Band lernt man dann so die Annehmlichkeiten des Festivalbetriebs kennen. Wir waren ja sehr viel länger privat auf Festivals als dann als Band. Auf einen Schlag bekommst du dann mit, wie Festivals auch sein können: Ne richtige Porzellantoilette, Schlafen im Hotel, eine Dusche, man muss nichts bezahlen und kann Bands von der Bühne aus betrachten. Einfach eine ganz andere Welt.

Was ist besser?
Es ist einfach komplett anders, aber beides geil. Es gab auch schon Festivals, wo wir beides gemacht haben: Gezeltet und gespielt – das ist die beste Kombination. Wenn man selbst spielt, hat man halt nen Auftrag, man muss schauen, dass man fresh und nüchtern auf die Bühne geht. Privat konnte man sich die ganzen Bands betrunken ansehen, nun muss man versuchen bis abends nüchtern zu bleiben.

Dieses Jahr steht eure Herbsttour an. Worauf habt ihr mehr Bock – auf Festivals oder Hallen?
Ist beides was komplett Unterschiedliches. Bei den Festival-Konzerten ist das Besondere, dass oft auch Leute vor der Bühne stehen, die noch keine Fans sind. Da ist natürlich der Reiz da, die auch noch zum Tanzen zu bringen. Bei einem eigenen Konzert in der Halle, haben sich die Leute ihr Ticket gekauft, da gehen wir dann nicht davon aus, dass sie uns ausbuhen werden.

Habt ihr ein Festival, auf dem ihr am liebsten spielt?
Das Taubertal-Festival ist immer sehr schön, da man dort auch baden kann. Es hat jedes Festival sein Für und Wider. Bei Rock am Ring sind eben extrem viele Leute – punktet jetzt aber nicht gerade durch einen schönen See oder eine familiäre Atmosphäre. Privat würden wir da glaub ich auch nicht hingehen, das wär ja wie in Berlin wohnen (lachen).

Ihr habt 2013 das Kosmonaut-Festival in Chemnitz gegründet, nachdem das splash! Festival umgezogen ist. Wieso war es euch wichtig dort weiterhin Festivalkultur aufrecht zu erhalten?
Wir wollten unser eigenes, kleines Festival in unserer Stadt, dort wo wir her kommen. Wenn man dann so von Festival zu Festival gefahren ist und ab und zu mal an Chemnitz vorbeigefahren ist, dachte man sich schon so: „Hm ein eigenes Festival hier wär schon geil.“

Foto: Philipp Gladsome

Foto: Philipp Gladsome

Ist es etwas Besonderes beim Kosmonaut zu spielen?
Auf jeden Fall, da es das einzige Festival ist, wo die Eltern und Großeltern einem zuschauen. Außerdem sind die Veranstalter verdammt korrekt (lachen).

Gibt es ein Festival, auf dem ihr noch nie gespielt habt, auf dem ihr aber unbedingt mal auftreten woll?
Das große Ziel sind die ganzen internationalen Festivals, wie beispielsweise das Glastonbury. Wir haben damals einen Fehler gemacht: Die deutschen Texte haben uns natürlich ein bisschen eingeengt – die Engländer sind einfach noch nicht so weit, sie checken halt die deutschen Lyrics noch nicht so, die brauchen noch ein bisschen. Wir sind der Zeit voraus (lachen).

Schreibt ihr Festivals einen hohen Wert zu?
Die Live-Erfahrung von Bands auf einem Festival ist natürlich schon erheblich schlechter, als wenn du dir ein eigenes Konzert gibst. Es hat schon so einen Klassenfahrt-Stil, übers Wochenende wegfahren und hoffen, dass das Wetter gut ist. Außerdem kann man noch neue Bands entdecken, du siehst also viele Bands für ein bezahlbares Geld.

Was ist eure Message an die Festivalgänger 2017?
Unterstützt das Kosmonaut-Festival und legt euch nicht mit uns im Flunkyball an!


Kraftklubs Festivalguide

Festivaltermine im Sommer 2017

8. – 10. Juni Greenfield Festival (CHE)
7. – 8. Juli Happiness Festival (D)
20. – 23. Juli Deichbrand Festival (D)
15. – 17. August FM4 Frequency Festival (AT)
18. – 20. August Highfield Festival (D)

Das darf auf einem Festival nicht fehlen:

  • ein Bus zum Schlafen
  • feuchtes Toilettenpapier
  • Universalwerkzeug: Feuerzeug als Gesprächsopener
  • eine Person, die alles hat was man braucht
  • am Besten so wenig wie möglich, dann kann man auch nichts verlieren

Das macht ein gutes Festival aus:

  • See und Wiese
  • nette Leute
  • kleine Festivals = entspannte Stimmung und Atmosphäre
  • Veranstalter, die nicht nur gewinnorientiert sind
  • ausgefallene Essensstände
  • Charakter
  • kleine Bands aus verschiedenen Genres

Im Juni erscheint das neue Album „Keine Nacht für Niemand“. Darauf können wir gespannt sein – das neue Album ist:

  • ROT!
  • nicht mehr laut, schnell und hart, sondern lässig, entschleunigt und entspannt
  • vielseitiger mit neuen Geschichten, neuen Perspektiven
  • eine Hommage an viele Vorbilder
  • versteckt mit Wortspielen und Zitaten sowohl im Titel als auch in den einzelnen Songs
  • das Leitmotiv: Nacht
Kategorie:Campus
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