WG Geschichten

Nackte Geburtstagsgrüße und Tinderella next Door

Foto: Ivector - Fotolia

Nackte Geburtstagsgrüße

Wohnsituation: Damen-WG
Mitbewohner: Maria, 25 Jahre

In der Nacht auf meinen 22. Geburtstag habe ich die Hütte abgerissen: Bude voll, Musik am Anschlag, Nutten im Pool. Alle hatten Spaß. Zu fortgeschrittener Stunde entschied sich ein Teil der Partytruppe, durch die Clubs der Stadt zu ziehen – allen voran Maria – der andere Teil ging ins Bett. Meinem gesellschaftlichen Anstandsempfinden Folge leistend, ordnete ich mich letzterem zu und strich die Segel, als es am schönsten war. Um 6 Uhr kam Maria zurückgepoltert. Sie war nicht alleine. Das rhythmische Klatschen gegen halb 7 ignorierte ich; man gewöhnt sich ja an so einiges. Überraschend wurde es gegen 8, als plötzlich meine Zimmertür aufschwang. Sonnenlicht erhellte den Raum, ich, müde blinzelnd, konnte nicht viel mehr ausmachen als einen kleinen, dicken Mann. Er stand selbstbewusst im Türrahmen und grinste. Zu meinem Entsetzen war er komplett nackt, gleichsam behaart wie tattowiert und leider auch sonst sehr hässlich.

Jeden Moment meinte ich, er möge sein Fauxpax erkennen, eine Entschuldigung stammeln und ins richtige Zimmer zurückkehren, doch – nein. Zielstrebig hielt er auf mein Bett zu und ließ sich wie Gott ihn schuf auf mich fallen. Aus der plötzlichen Schockstarre erwacht, packte ich den pummeligen Pelzfuß an seinem üppigen Nackenfell, schob ihn von mir herunter und sagte etwas sehr Unfreundliches zu ihm. Wütend und höchst irritiert saß er jetzt im Schneidersitz vor meinem Bett und weigerte sich, das Zimmer zu verlassen. Erst unter äußerster Gewaltandrohung erhob er sich und schlug mit den Worten: „Das ist doch nicht zu fassen – Frauen!“ die Haustür hinter sich zu. Und Maria? Die wusste von nichts. Weder, wo sie ihn herhatte, noch, wie er hieß. Seine Klamotten haben wir irgendwann weggeschmissen. Herzlichen Glückwunsch.

Tinderella next Door

Wohnsituation: Damen-WG
Mitbewohner: Lena, 26 Jahre + Sara 21 Jahre

Es war mal wieder einer dieser Abende: Mein Bett, mein Laptop und Ich – so jedenfalls meine Vorstellung. Ich war in der vergangenen Nacht im Club doch ein wenig zu sehr eskaliert. Verkatert konnte ich mich gerade so mit einer Schmerztablette über den Tag retten. Jetzt wollte ich einfach nur noch meine Ruhe. Doch da hatte ich die Rechnung ohne meine Mitbewohnerin Lena gemacht. Denn die Tage Cinderellas sind gezählt – stattdessen wohnt Tinderella im Zimmer nebenan. Alles was willig scheint, wird ausprobiert. Ohne Rücksicht auf Verluste und – hier bin ich – Mitbewohner. Und mit Tinder kamen die Männer wie die sieben Plagen in der Bibel – unverhofft und plötzlich. Begonnen hat es mit dem Briefmarkensammler. Der schlaksige Mann war Muttis Liebling und direkt in Lena verliebt. An sich harmlos, aber er blieb bis zum Frühstück. Eine Spur schärfer war der Latino-Macho.

Der 1,50-Meter große Typ lebte seinen Hüftschwung bei lauter spanischer Musik aus. Dank Ohropax waren wenigstens ein paar Stunden Schlaf drin. Doch als ich dachte, es geht nicht mehr schlimmer, kam die schlimmste aller Männer-Plagen über uns: Der Möchtegern-Bad-Boy, der mit Tattoos von seinem kindlichen Aussehen ablenken wollte. Der Pumper fühlte sich wie Mr. Grey und meinte, die ganze WG mit lautem Stöhnen und Klatschen an der Wand an seinem aufregenden One-Night-Stand teilhaben lassen zu müssen. Bei diesem Typen half nur eins – fliehen! Somit hatte sich das mit den ruhigen Abenden für die nächsten Wochen erledigt. Wobei ich mich eins immer wieder gefragt habe: Haben die Männer von heute eigentlich kein eigenes Zuhause? Lena hat seit kurzem übrigens einen festen Freund – den hat sie an der Uni kennengelernt.

Kategorie:Campus
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