Where is my MINT?

Von Mahnern und Grenzenüberwindern

Kulturwissenschaftler haben es nicht leicht. Im alten Griechenland oder Rom war das noch anders. (Foto: fotolia)

Kulturwissenschaftler haben es nicht leicht. Im alten Griechenland oder Rom war das noch anders. (Foto: fotolia)

Kulturwissenschaften sollten abgeschafft werden! Im Gegensatz zu gewinn- und prestigefördernden MINT- und Wirtschaftsfächern, die die Reichen immer reicher machen, sind sie ein vergilbtes Relikt alter Zeit! Das könnte man geneigt sein zu sagen, betrachtet man unsere heutige Gesellschaft. Und sich zudem fragen, warum in aller Welt werden sie noch an den Universitäten gelehrt?

Kulturwissenschaftler haben es nicht leicht. Im alten Griechenland oder Rom war das noch anders. Da waren wir hip und man hat auf uns gehört. Heute nehmen wir eher die Rolle der Seherin Kassandra in Christa Wolfs gleichnamiger Erzählung ein. Mit kunstvollen Installationen, fulminant-anprangernden Texten und dramatischen Theateraufführungen legen wir regelmäßig den Finger in die Wunde der Gesellschaft und den Fokus auf Missstände. Man hört uns, aber man glaubt uns nicht. Ansonsten würden unsere zahlendrehenden ExKommilitonen in Chefetagen ja etwas ändern und die Welt mit ihren wertvollen Ressourcen nicht Tag für Tag im Zeitraffer altern lassen, während sie lächelnd einen Mal-Trade-Kaffee schlürfen und subtil-nervös den Blutdiamantenring am kleinen Finger drehen. Und wie lästig und unbequem sind Kulturwissenschaftler auch? Wenn sie mit ihrem Wertehammer auf alles dreschen, was Spaß macht und Geld bringt? Verschrien als Schwarzseher, reflektieren sie doch so oft die Folgen, die so manch Vita- und Börsenberauschter im Sinnestaumel der Möglichkeiten einreißt und überrennt.

Vielleicht, ganz vielleicht, ist es ja doch gut, dass es ein paar lebensmüde Kulturwissenschaftler da draußen gibt, damit wir nicht nur Grenzen überwinden, sondern auch setzen. Um es sinngemäß mit den Worten Markus Freises, eines Slammers erster Stunde, zu sagen: Womöglich stoßen wir uns nur an den Mauern, die wir uns selbst errichtet haben. So könnten Kulturwissenschaftler perspektivisch mal die ein oder andere Mauer einreißen und die MINTs und Wirtschaftler sich ein paar mehr Grenzen setzen. Sicher beraten sich die beiden Parteien gerne untereinander.

^