Zwei Generationen unter einem Dach

In Hannover leben seit ewas über einem Jahr Senioren und Studierende unter einem Dach – das Motto: „Wohnen für Hilfe“. Wir haben mit Initiator Roland Jern vom Senioren Service Hannovergesprochen.

(Foto: Florian Christoph)

(Foto: Florian Christoph)

In Zeiten von knappem bezahlbaren Wohnraum, müsste das Interesse der Studierenden ja groß sein, oder?
Ja, in Hannover melde sich jede Menge Studierende aber kaum Senioren, die mitmachen wollen. Derzeit haben wir fünf dieser Paare in Hannover, bei denen das funktioniert. Wir bemühen uns sehr, gehen auf Märkte und in Kirchen um über das Projekt zu informieren. Es gibt aber trotzdem Vorbehalte bei vielen Senioren.

Wie sehen die aus?
Wir hören oft: „ach, dann muss ich ja das Bad oder meine Küche mit jemanden teilen“. Das sind so Dinge, die viele Senioren beschäftigen. Es gibt aber auch andere Städte wie zum Beispiel Saarbrücken, in denen das genau andersrum ist. Da haben sie mehr interessierte Senioren als Studierende.

Worin sehen Sie die Motivation der Studierenden?
Es gibt ganz unterschiedliche Motivationen. Einmal, dass der Wohnraum knapp ist, das Wohnraum auch teuer ist und manch einer auf diese Art sparsam leben möchte. Es gibt aber auch einige Anfragen von Studierenden, die aus dem Ausland kommen. Zum Beispiel aus Polen, aus den arabischen Ländern, Syrien oder Algerien. Einige erhoffen sich etwas über Deutschland zu erfahren. Vielleicht auch durch das Gespräch miteinander, mit den Senioren, die Sprache lernen zu können.

Roland Jern vom Senioren Service Hannover hat das Projekt in der Landeshauptstadt initiiert. (Foto: Privat)
Roland Jern vom Senioren Service Hannover hat das Projekt in der Landeshauptstadt initiiert. (Foto: Privat)

Welche Vor- und Nachteile sehen Sie denn, wenn Senioren und Studierende unter einem Dach leben?
Für viele Seniorenerscheint der Einschnitt in die private Sphäre als Nachteil. Dass sie auf einmal ihre Wohnung mit jemandem teilen müssen und wenn sie abends Fernsehen schauen, sitzt da wohlmöglich noch jemand. Senioren haben ja manchmal noch ihre Wohnung, in der sie ihr Leben lang gelebt haben oder auch ihr Haus mit Garten. Nun kommen sie ins Alter und manches wird gesundheitsbedingt schwieriger, so dass sie Hilfe bräuchten oder sogar aufgeben und sich mit dem Thema Altenheim beschäftigen müssten. Wenn man dann jemanden hätte, zum Beispiel einen Studierenden, der hier einspringt, wäre das eine unheimliche Entlastung. Dieser Vorteil kommt nur noch nicht so überzeugend in den Köpfen an.

Gibt es eine Grenze, ab wann Senioren nicht mehr für dieses Projekt „geeignet“ sind?
Pflege wird nicht geleistet. Die Grundformel ist, pro Quadratmeter überlassenen Wohnraum, soll im Monat eine Stunde gearbeitet werden. Also für 15 Quadratmeter, 15 Stunden im Monat. Die Arbeit deckt die Miete ab, Nebenkosten müssen die Studierenden aber schon bezahlen. Dafür gibt es einen Wohnraumüberlassungsvertrag. Das ist kein Mietvertrag sondern ein Vertrag über die jeweiligen Pflichten und Aufgaben und in dem wird festgelegt, was der Studierende tun soll. Das ist dann für beiden Seiten nochmal eine Absicherung. In den Partnerschaften, in denen es gut läuft, wird so ein Vertrag dann schnell zu Nebensache. Vom Grundsatz her sind diese Partnerschaften auf mindestens ein Jahr ausgelegt. Wobei das natürlich nicht festgeschrieben ist.

(Foto: Privat)
(Foto: Privat)

Mohammed Darwich ist 30 Jahre alt und für sein Biochemie-Studium nach Hannover gekommen. Er wohnt seit 8 Monaten zusammen mit Beate von Daniels in ihrem Haus. Vorher hat Ex-Berliner fast 6 Monate lang ein Zimmer gesucht und nichts gefunden. Wir haben ihn nach seinen Erfahrungen gefragt.      

Wie groß ist dein Zimmer und wie lange was musst du dafür arbeiten?
Es sind 15 Quadratmeter, aber ich darf auch sonst alles im Haus benutzen. Dafür muss ich eine Stunde pro Quadratmeter und Monat arbeiten. Das ist sehr bequem und zeitlich unbeschränkt. Ich mache vor allem Gartenarbeit oder helfe tragen.

Wie gefällt dir das Zusammenleben?
Sehr gut. Frau von Daniel ist sehr nett und ein geselliger Mensch, der sich gerne unterhält. Außerdem ist sie großzügig und hilfsbereit.

Wo siehst du die Vor- und Nachteile eures Zusammenlebens?
Ich wohne sehr bequem und kann mir die hohe Miete sparen. Außerdem wollte ich immer selbst einen Garten haben. Nachteile sehe ich keine.

Unternehmt ihr auch etwas zusammen in der Freizeit?
Ja, wir kochen und essen natürlich zusammen und schauen auch gemeinsam Fernsehen.

Würdest du wieder mit einem Senioren zusammenwohnen?
Hundertprozentig!

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