Arbeiten, wenn andere frei haben

Wir trafen Sportmoderator Benni Zander am Spielfeldrand

(Foto: Daniel Götjen)

(Foto: Daniel Götjen)

Benni Zander kommentiert seit 2013 unter anderem die Fußballund Basketball-Bundesliga live. Mit studi38 sprach der Leipziger über seine große Leidenschaft, die er zum Beruf gemacht hat.

Über zu wenig Arbeit kann sich Benni Zander nicht beklagen. Mittwoch Stuttgart, Freitag Schalke, Samstag Hannover. Besonders stressig sei das eigentlich nicht, sagt der 26-Jährige. „Man muss sich nur daran gewöhnen, viel unterwegs zu sein und dann zu arbeiten, wenn viele andere frei haben.“ Aber er sieht keinen Grund sich zu beschweren, schließlich träumte er schon als kleiner Junge davon, Sportkommentator zu werden: Seine ersten Gehversuche machte Zander beim heimischen „FIFA“-Spielen auf der Konsole, heute kommentiert er die Spiele der beliebtesten deutschen Sportligen. Als wir uns im Dezember zum Interview treffen, hat der sympathische Leipziger gerade die Basketball-Bundesliga- Partie zwischen Braunschweig und Tübingen kommentiert. Es ist deutlich nach 20 Uhr. Ein 9-Stunden-Arbeitstag – und das am Sonntag. Die Planung zur Produktionsbesprechung findet etwa zwei Stunden vor Sendebeginn statt, Verschnaufpausen gibt es bis zum Ende der Übertragung kaum. Direkt nach dem Spiel wird dann im Übertragungswagen die Zusammenfassung geschnitten und vertont. Ein Marathon mit Folgen: „Wenn ich kommentiere und moderiere, weiß ich selbst, dass die erste Frage im Interview direkt nach dem Abpfiff manchmal nicht auf den Punkt genau kommt“, erzählt Zander lachend. Auf dem Weg zum Traumjob studierte Zander Kulturwissenschaften in Leipzig und kam über ein Praktikum zum Sportradio „90elf“. Eigentlich wollte er nach dem Bachelor ein Masterstudium im Bereich Journalismus anschließen. Die Ausschreibung fürs Volontariat bei 90elf sah seine Freundin nur durch Zufall – ein Glücksgriff. Nach dem Aus des Leipziger Fußball-Radios heuerte Zander unter anderem beim gerade gestarteten Sportradio Sport1.fm und bei Radio Leipzig an. Bei Sport1.fm ist er bis heute Teil des Reporterteams, seit Sommer 2014 steht auch Telekom Basketball auf der Liste seiner Arbeitgeber.

Das ambitionierte Projekt überträgt seit der vergangenen Saison alle rund 300 Partien der Beko Basketball-Bundesliga, die in der deutschen Sportberichterstattung ein Schattendasein fristet. „Der Fußball erdrückt einfach alle anderenSportarten“, meint Zander. Die Folge: Im Free TV sind die Quoten für BBL-Spiele miserabel, dafür lieben die Fans das kostenpflichtige, aber mit 10 Euro monatlich bezahlbare Special-Interest- Angebot. Auch Kommentatoren-Ikone Frank Buschmann ist Teil der Telekom Basketball-Redaktion, ebenso wie der ehemalige BBL-Trainer Stefan Koch. „Wenn ich mir Übertragungen mit den beiden ansehe, ist das wie eine Nachhilfestunde“, schwärmt Zander, der 2014 ohne Basketball-Erfahrung zum Projekt stieß. Angebote wie Telekom Basketball könnten die Zukunft sein, erklärt er, auch für andere Sportarten, für die neben dem Fußball keine Sendezeit bleibt. Wenn er nicht selbst kommentiert, genießt Zander auch privat weiterhin Sportübertragungen. Ein bisschen mehr Abstand als früher habe er zum Fan-Dasein heute schon, erklärt er, „aber wenn es so richtig eng wird, sitze ich immer noch ganz vorne auf der Sofa-Kante.“

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