Buckeln & Büffeln: „Das Studium gewinnt“

Studierende und Absolventen erzählen vom Spagat zwischen (Profi)-Sport und Hörsaal

Daniel Reck im Audimax der TU Braunschweig. (Foto: Arne Albrecht)

Daniel Reck im Audimax der TU Braunschweig. (Foto: Arne Albrecht)

Daniel Reck erlebte als Torwart der Freien Turner Sportlichen Erfolg

Obwohl es keinesfalls ungewöhnlich ist, dass Söhne in die Fußstapfen ihrer Väter treten, verlief der Weg bei Daniel Reck keineswegs geradlinig. Auf Anraten seines berühmten Vaters Oliver – der einst für Werder Bremen und Schalke das Tor hütete – spielte der Sohnemann zunächst bis zur B-Jugend im Feld. Erst mit dem Wechsel zu den A-Junioren von Osterholz- Scharmbeck machte ihm sein dortiger Trainer Günter Herrmann die Torwart- Position schmackhaft. Dort schnupperte er im Herrenbereich sogar kurz Oberliga-Luft, ehe es ihn schließlich 2009 zum Studium in die Löwenstad verschlug. „Für Braunschweig habe ich mich wegen des Studiums entschieden“, erinnert sich Daniel, mit dem wir uns im „Herman’s“ auf einen Milchkaffee verabredet haben. Der heute 26-Jährige hatte zu diesem Zeitpunkt beschlossen, sich voll und ganz seiner universitären Laufbahn zu widmen. Dass es doch anders kam, war Zufall. Der Freund seines Mitbewohners spielte bei den Freien Turnern und hat den Studenten überredet, mit zum Training zu kommen. „Das war ein absoluter Glücksfall für mich. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen und habe dort viele Freunde kennengelernt“, resümiert Daniel, der zudem die familiäre Atmosphäre des Clubs schätzt. „Das ist eine Art FC St. Pauli in Braunschweig. Neben mir spielen dort noch sechs weitere Studenten. Trotz des hohen Anspruchs trinkt man dort nach dem Training auch mal ein Bierchen.“ Die Augen des angehenden Wirtschaftsingenieurs fangen an zu leuchten, wenn er über seine Zeit bei den Turnern spricht, mit denen er in den letzten fünfeinhalb Jahren einige sportliche Ausrufezeichen setzen konnte.

Nach zwei Aufstiegen in Folge kicken die Turner mittlerweile in der Regionalliga Nord. Doch der sportliche Erfolg hat auch seine Schattenseiten. „Es ist nicht immer einfach Studium und Fußball zu verbinden.“ Viermal die Woche bittet sein Trainer Uwe Walther ihn und seine Teamkollegen zum Training in den Braunschweiger Prinzenpark. Am Wochenende steht dann jeweils ein Punktspiel auf dem Programm – jedes zweite Wochenende verbunden mit einer langen Auswärtsfahrt. Gerade wenn sich Klausuren und Fußballspiele terminlich bedrohlich nahekommen, wird die Doppelbelastung deutlich spürbar. „Wenn ich beides gegenüberstelle, ist mir das Studium ganz klar wichtiger, als der Sport. Doch vor den Spielen ist man insbesondere als Torwart mental schon ziemlich eingegrenzt.“ Das größte Spiel in Daniels Fußballkarriere – das DFB-Pokal-Spiel gegen den 1. FC Köln – fiel in die Zeit der bis dato wichtigsten Prüfung in seiner Studienzeit. „Ich habe nur eine Woche nach dem Spiel eine Grundbau-Klausur im Drittversuch geschrieben“, berichtet der FT-Torwart, der sich in dieser Phase nun wahlweise mit Baugrubensicherungen und den Stürmern des 1. FC Köln auseinandersetzen durfte. „Um das Spiel herum war schon sehr viel Trubel. Da ist es nicht einfach am nächsten Tag wieder komplett abzuschalten und seine Statistiken auswendig zu lernen.“ Während bei einigen Liga-Konkurrenten Saläre im vierstelligen Bereich gezahlt werden und er bei den Amateurteams der Bundesligisten in den Duellen auf angehende Profis trifft, bekommt Daniel, wie seine Teamkollegen, als Minijobber nur eine kleine Aufwandsentschädigung. „Fußball ist für mich kein Beruf, sondern Spaß“, stellt der Torwart klar. „Jeden Tag, wenn ich zum Training fahre, genieße ich das einfach nur.“ Im April wird Daniel mit seiner Bachelorarbeit beginnen. Dass sein Studium bedingt durch den Sport ein paar Semester länger als üblich gedauert hat, nimmt er gerne in Kauf: „So etwas wie die Spiele gegen Oldenburg oder Köln erlebst du wahrscheinlich nur einmal im Leben und dann denkst du dir schon: Du hast schon vieles richtig gemacht, nicht alles, aber vieles.“

 

Kategorie:Karriere
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