Der Schutz der Meere ist extrem wichtig

Braunschweiger Startup-Unternehmen Re-Athlete im Interview

Alina präsentiert ein neues Produkt aus recycelten Meeresnetzen. Foto: Re-Athlete

Das junge Startup Re-Athlete produziert aus recycelten Fischernetzen und weiteren Nylonabfällen (z.B. Plastikkomponenten, alte Teppiche etc.) ökologische Sportbekleidung für Einzelsportler, Teams und Vereine. Geschäftsführer Johannes Skowron (22) wohnt in Braunschweig. Ursprünglich aus Stade bei Hamburg, kam der junge Unternehmer für sein Sportmanagement-Studium in die Region38. Aktuell studiert er den Master of Business Administration im Strategic Management im Fernstudium in den USA. Gemeinsam mit Alina Hische (24) hat er nebenbei das StartUp „Re-Athlete“ gegründet. Sie ist in Braunschweig aufgewachsen und studiert ebenfalls im Fernstudium, Psychologie. Momentan läuft eine Crowdfundingkampagne. Darüber hinaus gibt es weitere Informationen auf der offiziellen Homepage und auf Facebook.Wir sprachen mit Johannes über sein Unternehmen.

Wie kamt ihr auf diese Geschäftsidee?

Wir kamen im gemeinsamen Urlaub 2016 auf die Geschäftsidee. Kurz vorher schrieb ich meine Bachelorarbeit zum Thema „Social Entrepreneurship in der Sportbranche“ und somit war (soziales) Unternehmertum stets ein Thema bei uns. Für uns steht das derzeitige Wirtschaften in keinem Verhältnis zum aktuellen Weltgeschehen. Unser Konsumverhalten auf Kosten der Tier- und Umwelt, sowie der Menschen ist in keinem Maße zu rechtfertigen. Alina und ich kombinierten in unserer Gründung unsere Interessen und Stärken. Alina schneidert und näht schon ihr gesamtes Leben und ist somit für die Designs und die Produktentwicklung zuständig. Durch mich kommt der Bezug zum Sport und der Betriebswirtschaft zustande. So kam dann die Idee recycelte Sportmode herzustellen, die regional gefertigt wird und hierbei verschiedene Formen der Arbeitstherapie unterstützt.

Wie schwer war die Gründung?

Die Gründung eines Start-Ups und speziell eines Social Startups beinhaltet immer einige Hürden, die gemeistert werden müssen. Das sind Sachen wie die Finanzierung, dem Aufbau eines Vertriebs usw. Natürlich ist das Ganze auch mit einem Haufen Papierkram verbunden. Bei uns erschwerte sich die Sache dadurch, dass wir nur mit bestimmten Partnern zusammen arbeiten wollen. Zum Beispiel sind alle unsere Partner und Lieferanten in Europa ansässig und bieten mit ihren Zertifizierungen die recycelten und biologischen Materialien, die wir auch verwenden wollen. Wir sind sehr darauf bemüht kurze Handelswege und somit weniger Umweltbelastungen zu garantieren. Generell ist unser Startup auch hinter den Kulissen nachhaltig strukturiert. Das fängt an bei biologischen Verpackungsmaterialien, über die Nutzung von Öko-Strom im Büro, bis hin zum Geschäftskonto bei Europas führender Nachhaltigkeitsbank.

Johannes und Alina sind stolz auf das, was sie bisher erreicht haben. Foto: Re-Athlete

Ebenfalls schwierig war die Suche nach einem geeigneten Produktions-Partner. Durch unsere Wahl der Produktion mithilfe von Arbeitstherapie sind wir auf eine überschaubare Anzahl von möglichen Partnern gestoßen. Dieses Netzwerk mit der steigenden Produktionsmenge auszubauen ist natürlich eine Herausforderung. Bei diesen ganzen Sachen haben es konventionelle Unternehmen vielleicht ein Stück weit leichter und sind freier in Ihrer Auswahl von Partnern, Lieferanten usw.
Dadurch, dass wir die Produkte selbst designen und dann herstellen lassen und nicht nur „fertig einkaufen und weiterverkaufen“ ist die Planung und Einführung von Produkten ein wenig umfangreicher als bei den vielen T-Shirt-Startups, die momentan überall auftauchen.

Wie wichtig ist der Schutz der Meere?

Der Schutz der Meere ist extrem wichtig. Wichtiger als viele Leute wissen und denken. Alleine in unseren europäischen Meeren landen jährlich 1200km von den sogenannten „Ghostnets“ die unserer italienischer Partner „Aquafil Spa“ zu dem 100% regnerierten Nylongarn Econyl® weiterverarbeitet. Und nicht nur die Netze werden recycelt, sondern auch zahlreiche weitere Nylon-Wertstoffe/Plastikkomponenten. Zum Einen auch aus den Weltmeeren, aber auch aus der Industrie – bevor diese Abfälle in der Umwelt oder auf Deponien landen. Der Recyclingprozess ist also wirklich nachhaltig und bewirkt etwas.
Die Zahl von Mikroplastik und weiteren Plastikmüll in den Weltmeeren steigt jedes Jahr – mit erschreckenden Auswirkungen auf die Tier- und Umwelt. Die Tiere verenden zum Teil in den Ghostnets oder fressen den Plastikmüll, den wir hinterlassen. Vor Kurzem entdeckten Forscher in Norwegen einen Schnabelwal, der 30 Plastiktüten im Magen hatte. In dem Bericht heißt es:

„Zu Jahresbeginn 2016 strandeten immer wieder Pottwale an der Nordseeküste. Insgesamt 30 verendeten in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich. In den Mägen der Tiere fand sich ebenfalls jede Menge Plastikmüll. Experten gehen jedoch davon aus, dass viele Faktoren bei ihrem Tod eine Rolle spielten, womöglich schwammen sie Tintenfischen hinterher. Klar ist aber: Schätzungen zufolge landen jedes Jahr mindestens 2,7 Millionen Tonnen Kunststoff im Meer – manche Zahlen liegen auch deutlich darüber. Für Seevögel und Meeresbewohner, die den Müll fressen, ist das eine erhebliche Gefahr. Im Fall der Vögel haben Forscher herausbekommen, dass auch ein spezieller Geruch schuld daran ist, dass die Tiere den Kunststoff zu sich nehmen. Zwei Drittel aller Seevögel haben bereits Plastik im Magen.“ (Spiegel-Online)

Durch unsere Sportmode wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass sich dieser Zustand ändert. Millionen von Menschen treiben jeden Tag Sport, besuchen Vereine oder gehen zu Sportveranstaltungen. Mit sehr wenig Aufwand können die Leute also durch den Kauf der Bekleidung den Recyclingprozess und die Entmüllung der Ozeane unterstützen. Nebenbei fördern sie ebenfalls eine regionale Produktion im Sinne von Arbeitstherapie, in der Menschen mit Beeinträchtigungen wieder am Arbeitsleben und der Gesellschaft teilhaben können.

Die umweltschonende und soziale Herstellung von Sportbekleidung steht im Mittelpunkt des Unternehmens. Foto: Re-Athlete

Welche Ziele möchtet ihr erreichen?

Wir möchten diese ökologische und soziale Lösung zu den Sportlern und Vereinen bringen. Hierfür möchten wir unter anderem Sponsoren/Unternehmen mit Vereinen verknüpfen. Die Unternehmen sponsern den Vereinen einen oder gleich mehrere Trikotsätze und beide Parteien profitieren von dem eigentlichen Sponsoring als auch von der öffentlichkeitswirksamen Meldung des Einsatzes für Nachhaltigkeit/Umweltschutz/eine soziale Produktion. Win-Win-Situation für alle Parteien…

Wie sind die ersten Resonanzen?

Bisher waren die Reaktionen auf unser Start-up durchweg positiv. Besonders großen Zuspruch bekamen wir aus dem Ausland, insbesondere Österreich. Außerdem haben wir schon einige Anfragen bekommen, ob wir auch Produkte für andere Sportarten anbieten können. Aus diesem Grund arbeiten wir momentan an weiteren Produkttypen und Designs. Unser Konzept fand großen Anklang und Bestätigung, zur Zeit sind wir bereits mit mehreren großen Vereinen in Gesprächen über Ausstatterverträge, Sponsorings usw.

Wie soll es weitergehen?

Der nächste Schritt wird eine Vorproduktion unserer Bekleidung sein, um einen Online-Shop aufbauen zu können. In Zukunft möchten wir außerdem unser Produktsegment erweitern, um so eine breitere Masse ansprechen zu können. Außerdem wollen wir die angesprochene Sponsorenakquise ausweiten. Zudem ist eine Erweiterung unserer Produktionsstätten geplant. Wir wollen ein Netzwerk aus mehreren Werkstätten aufbauen, die verschiedene Formen der Arbeitstherapie anbieten/unterstützen.

Kategorie:Karriere
Tags:, , ,





Facebook
MensaPlan
Heute
Morgen

Preise gelten für: Studenten
Mitarbeiter/Gäste
Legende

Anzeige