Diversity – Ideal oder Utopie

Chatbesuch bei Knud Ahlborn vom Career Service der TU

Knud Ahlborn. Foto: Privat

Knud Ahlborn. Foto: Privat

Hallo Knud, eine Freundin von mir hat eine tolle Vita, aber es hagelt Absagen. Sie ist verheiratet und 28. Meinst du, die potenziellen Arbeitgeber unterstellen, sie könnte bald schwanger werden?

Hallo Kristina. Na ja, das könnte LEIDER sein … aber bei einer „tollen Vita“ sollte das Interesse, diese Kandidatin kennenzulernen, überwiegen! Zunächst einmal gehen die familiären Umstände niemanden etwas an – die Angabe zum „Familienstand“ ist im Lebenslauf freiwillig!

Aber ist es nicht, weil eigentlich Usus, auffällig, wenn man den Status weglässt?

Finde ich erst mal nicht. Aber Einstellungs- bzw. Einarbeitungsprozesse machen Mühe, kosten Zeit und Geld. Da kann man es den Arbeitgebern nicht nur verübeln, wenn sie reflektieren, in WEN investiert wird… Doch der Fokus sollte deutlich auf Qualifikation und Kompetenz liegen!

Frauen können ja auch schlecht dafür bestraft werden, dass nur sie Kinder bekommen können.

Da fällt mir kein Gegenargument zu ein!  Familie und Beruf können ja in Einklang gebracht werden. Es kommt auch auf den guten Willen des Arbeitgebers an! Stichworte sind: Teilzeit, Home Office, Fortbildungen und Mitarbeitertreffen auch während der Elternzeit, stufenweiser Wiedereinstieg – nicht zu vergessen: Betriebskindergarten.

Knud, was bedeutet eigentlich Diversity Management?

Da versuchen Arbeitgeber besonders leistungsstark – zumindest wettbewerbsfähig – zu bleiben, indem sie bei der Mitarbeiterschaft auf Vielfalt achten. Vor allem in Bezug auf Geschlecht, Ethnie, Alter und Behinderung. Religion könnte auch noch ein Thema werden …

Stichwort Charta der Vielfalt. Unter uns – ohne idealistische Rosa-Rot-Brille – wie wird Diversity tatsächlich von Personalern bewertet?

Ich denke, das Thema wird eher von großen Konzernen getrieben. Die können sich teilweise ganze Abteilungen zu dem Thema leisten. Sie wissen: Ich brauche bei immer komplexeren Projekten, immer kürzeren Innovationszyklen und zunehmend vernetzterer Arbeitsweise vielfältigere Herangehensweisen. Das sehen auch immer mehr kleinere Unternehmen.

In den USA ist es verpönt, in der Bewerbung Religion, Alter, Herkunft, Familienstand und Kinder zu thematisieren. Wie bewertest du das?

Ausgesprochen positiv! Ich sollte als Arbeitgeber immer so gut es geht darauf schauen, was IN einem Bewerber steckt (und pardon: selbstverständlich auch einer BewerberIN – soviel Sensibilität sollte gerade bei unserem heutigen Thema sein.

Aber meinst du nicht, in der Realität ziehen viele Unternehmen bei gleicher Begabung und Vita den jungen Mann der jungen Frau oder einem mit ausländisch anmutendem Namen vor?

Grenzen gibt‘s schon: jemand in Schlabberklamotten oder ältere Bewerber werden vermutlich weniger Chancen haben. Neulich wurde ich verschämt gefragt, ob man mit einem Vollbart auf dem Bewerbungsfoto Wettbewerbsnachteile hätte …

Und? Hat man schlechtere Chancen?

Gepflegtes Äußeres ist die Richtschnur! Dann ist auch ein Vollbart ok! In vielem kann man sich auf das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ (AGG) berufen. Bei Ungleichbehandlung kann man vor Gericht ziehen. Das kann für Arbeitgeber teuer werden! Fordert aber auch Aufwand und starke Nerven… Ich würde immer erst das vertrauliche Gespräch und konsensualen Lösungsansätze suchen!

Ich hab nun leider dennoch das Gefühl, meine Freundin sollte ihren Familienstand nicht nennen. Schade, dabei muss sie sich ja nicht für ihre Ehe schämen …

Ich rate gerade Frauen zu zweierlei: Keine Angaben zum Familienstand (zumindest in der schriftlichen Bewerbung). Und: eine Selbstdarstellung mit viel Selbstbewusstsein und klaren Hinweisen auf die Schaffenskraft und stellenrelevante Kompetenzen!

Verstehe … Man hört ja des Öfteren, dass Frauen in Bewerbungen zu tief stapeln …

Definitiv! Dabei haben stark männerdominierte (Groß-)Unternehmen so ihre Probleme entwickelt und lechzen nach anderer Herangehensweise an Probleme, die ja Frauen nachgesagt wird!

Ich hoffe, dass die Unternehmen Diversity Management weiter verinnerlichen. Wenn alle gleich sind, ist’s ja langweilig!

Fakt ist: Arbeitgeber brauchen heutzutage Leute, die sich in andere/s hineindenken können, Brücken zwischen Ländern und Kulturen schlagen, flexibel und interdisziplinär handeln! Für ein fairen Umgang, mehr Neugierde und Mut zu Veränderung!

Da kann ich nur zustimmen! In diesem Sinne, ich gehe jetzt Falafel essen!

Kategorie:Karriere
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